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Beim subjektiven Hören
akustischer Vorgänge muß man zwei wichtige
Bereiche auseinanderhalten: den eigentlichen
Hörvorgang im Ohr, mit physiologischer Akustik
bezeichnet, und die Verarbeitung der
Hörvorgänge im Gehirn zum Höreindruck,
mit psychologischer Akustik bezeichnet. Zu letzterem
gehört zum Beispiel die ästhetische
Beurteilung von Musikwiedergabe, die Bewertung der
Störfähigkeit von Lärm usw. .
Hier wird nur die physiologische Akustik behandelt.
Das Ohr und die Höreigenschaften
Man faßt alle mit dem Hören
zusammenhängenden Probleme unter dem Begriff
physiologische Akustik zusammen.
Das Ohr besteht anatomisch aus drei Abschnitten:
Außen-, Mittel- und Innenohr.
Im Außenohr gelangt der Schall von der
Ohrmuschel (die durch ihre Form zur
Richtungsempfindung beiträgt) in den
Gehörgang und von da zum Trommelfell.
Die Abmessungen des Gehörganges bewirken eine
bevorzugte Aufnahme der Frequenzen um 3000 Hz. Das
Trommelfell schließt das Mittelohr vollkommen
gegen das Außenohr ab.
Im Mittelohr wird der Schall vom
Stiel des Hammers, der an der Innenseite des
Trommelfelles angewachsen ist, über den
Hammerkopf auf den Amboß und von dort auf den
Steigbügel übertragen. Diese drei
Knöchelchen stellen ein kompliziertes
Hebelsystem dar, in welchem die Bewegungen des
Trommelfelles in kleinere Hübe, aber höhere
Drucke (etwa 15-fach) umgesetzt werden.
Dieses System ist in der übersetzung elastisch
und schützt das innere Ohr vor überlastung.
Damit ist jedoch auch eine Nichtlinearität
bezüglich der Fortleitung des Schalles bedingt,
wodurch beim Hören größerer
Schallstärken Verzerrungen im Ohr entstehen.
Es werden dadurch Kombinationstöne subjektiv
empfunden, die objektiv im Schall nicht vorhanden
sind.
Da das Mittelohr ein geschlossener Raum ist,
würden sich atmosphärische
Luftdruckschwankungen auf den Hörvorgang
auswirken. Zum Ausgleich der Schwankungen hat die
Natur einen Ausgleichskanal (Eustachische Röhre)
vorgesehen, der im Rachenraum mündet und beim
Schluckvorgang vorübergehend geöffnet wird.
(Die Wirkung macht sich bemerkbar, wenn man z. B. mit
einem Fahrstuhl oder mit dem Flugzeug in kurzer Zeit
große Höhenunterschiede erreicht. Durch
Schlucken kann man die auftretende Druckdifferenz am
Trommelfell zwischen Mittelohr und Außenohr
beseitigen.)
Das Innenohr beginnt bei der Membran, die vom
Mittelohr her durch den Steigbügel berührt
wird und im sogenannten ovalen Fenster sitzt. Diese
Membran schließt ein Kanalsystem ab, welches
mit Lymphflüssigkeit gefüllt ist. Hierin
wird der Schall zur Schnecke weitergeleitet.
Die Schnecke, die wie ein Schneckenhaus bei etwa
2 3/4 Windungen mit allmählich kleiner
werdendem Querschnitt aufgebaut ist, enthält im
Innern die Basilarmembran, die je nach Tonhöhe
an einer bestimmten Stelle zum Mitschwingen angeregt
wird und dabei eine Reizung bestimmter Hörnerven
hervorruft.
Etwa 2400 gegeneinander isolierte Nervenfasern
führen zum Gehirn.
Auf diese Weise kann das menschliche Ohr etwa
3000 verschiedene Tonstufen unterscheiden (zum
Vergleich: das Klavier umfaßt
84 Töne, das umfassendste natürliche
Instrument, die Orgel, 108 verschiedene
Töne).
Bei jeder Tonhöhe kann das Ohr auch noch einen
weiten Bereich von Tonstärken unterscheiden. Die
übertragung der Reize im Nervensystem erfolgt
durch elektrische Impulse, wobei die Anzahl der
Impulse für die empfundene Lautstärke
maßgebend ist (bei sehr großen
Lautstärken werden etwa 1000 Impulse je
Sekunde übertragen).
Die Empfindlichkeit des Ohres ist
außerordentlich groß, sowohl in bezug auf
Tonhöhen als auch Tonstärken, was z. B.
für die Beurteilung einer Lautsprecherwiedergabe
von besonderer Wichtigkeit ist. Das Ohr vermag
Töne zwischen etwa 16 Hz und 16000 Hz
wahrzunehmen.
Die Empfindlichkeit in bezug auf Tonstärken ist
bei den einzelnen Frequenzen verschieden. Am
empfindlichsten ist das Ohr im Bereich zwischen
1000 und 4000 Hz. Hier werden noch
Schalldrücke von 2/10000 ubar wahrgenommen.
Würde das Ohr noch empfindlicher sein, dann
wäre das molekulare Rauschen der Luft
hörbar, was dann stören würde.
Wie groß die Hörempfindlichkeit des Ohres
ist, ergibt sich auch aus folgendem Beispiel:
Nachts hört man bei der Stille der Umgebung das
Summen einer Mücke noch in 0.5 m
Entfernung. Nun ist aber die Schallenergie, die die
Mücke beim Flügelschlagen erzeugt, ohnehin
schon sehr klein, da die meiste Energie zur Bewegung
der Mücke benötigt wird.
Da der Schall sich um die Mücke
kugelförmig ausbreitet, verteilt er sich in
0.5 m Entfernung auf eine Kugeloberfläche
von ca. 30000 cm2.
Da das Ohr etwa eine Flächenöffnung von 1
cm besitzt, hört man etwa noch den 30000sten
Teil der Schallenergie der Mücke.
Der Schalldruck, bei dem die Schmerzgrenze beim
Hören erreicht wird, ist mehr als 1000000-fach
größer.
Man hat den Bereich zwischen der Reizschwelle bei
schwachen und der Schmerzschwelle bei starken
Schallempfindungen in Stufen unterteilt.
Als Maßeinheit wurde in Deutschland das Phon
gewählt, während in den USA dafür das
Dezibel gebräuchlich ist. Allerdings bemüht
man sich auch hier, von der Angabe des
Lautstärkepegels in DIN-Phon wegzukommen und
statt desssen (nach IEC) von bewerteten
Schalldruckpegeln (weighted sound level) zu sprechen.
Weil nun energiemäßig vom leisesten bis
zum lautesten Ton ein Unterschied von
13 Zehnerpotenzen vorhanden ist, hat man den
ganzen Hörbereich in 130 Phon eingeteilt.
Die Wahl von 130 statt 13 hat den Vorteil,
daß man bei Messungen usw. keine Kommawerte zu
benutzen braucht, weil das Ohr einen
Lautstärkeunterschied von etwa 1 Phon gerade
noch wahrnehmen kann. Man hat daher die
Hörschwelle von 2×10-4 ubar als
Bezugsgröße für
Schallfeldgrößen festgelegt.
Die Lautstärkeempfindlichkeit des Ohres ist
nach dem Weber-Fechnerschen Gesetz etwa
logarithmisch, was in der Phonskala entsprechend zum
Ausdruck kommt. Erhöht sich z. B. die von einer
Schallquelle abgegebene Schallstärke um das
Zehnfache, dann geht die empfundene Lautstärke
um 10 Phon herauf.
50 Phon bedeutet demnach, daß bei dieser
Lautstärke eine
10×10×10×10×10, also
100000-fache Schallstärke von Seiten der
Schallquelle im Vergleich zur unteren Schwelle
vorhanden sein muß.
Zum Vergleich sind in der
FAQ eine Reihe von Schallarten mit den
empfundenen Lautstärken in Sone aufgeführt.
Der Energiebereich innerhalb dieser
Lautstärkestufen ist außerordentlich
groß. Die Intensität zwischen
Blättersäuseln und der auf einem
Motorprüfstand steht in einem Verhältnis
von 1:10 Milliarden!
Untersucht man die
Empfindlichkeit des Ohres bei verschiedenen
Frequenzen, dann ergeben sich Zusammenhänge, wie
sie in der Kurvendarstellung unten enthalten
sind.
Diese Kurven stellen Mittelwerte
aus Hörversuchen mit vielen Personen dar und
sind genauer als die früher verwendeten Kurven
nach Fletscher und Munson.Diese Kurven gelten allerdings nur für reine Sinustöne.
Trotzdem können sie von Fall zu Fall bei
einzelnen Menschen individuell verschieden sein.
In der Darstellung sind unten in der Waagerechten die
Frequenzen aufgetragen im sogenannten logarithmischen
Maßstab.
Dieser Maßstab hat nicht nur den Vorteil,
daß auf der kurzen Linie alle Frequenzen
zwischen 16 und 20000 Hz untergebracht
werden können, sondern diese Aufteilung
entspricht auch der Bewertung, die das Ohr vornimmt.
Es werden nämlich hierbei alle Oktaven
gleichmäßig berücksichtigt.
Unter Oktave versteht man bekanntlich in der Musik
einen Abstand zweier Töne, der so groß
ist, daß die 8 Töne der Tonleiter
dazwischen liegen.
In der Akustik unterscheiden sich die Oktaven durch
die doppelte Schwingungszahl. So ist z. B. in der
Abbildung der Abstand der Oktave 40 Hz bis
80 Hz ebenso groß wie der von 500 Hz
bis 1000 Hz oder 6000 Hz bis 12000 Hz
usw. .
Es ergibt sich daraus, daß das Ohr im gesamten
Tonbereich etwa 10 Oktaven wahrnehmen kann.
Die Kurven geben nun an, wie groß der
Schalldruck jeweils sein muß, um die
entsprechende Lautstärke zu hören.
Wie der Abbildung zu entnehmen ist, beträgt z.
B. bei 40 Phon für den Ton von 1000 Hz
der Schalldruck 0.02 ubar. Will man den Ton von
60 Hz mit derselben Lautstärke von
40 Phon hören, dann muß der
Schalldruck 0.2 ubar, also 10-mal stärker
sein. Ein Ton von 10000 Hz muß mit
0.08 ubar vorhanden sein, um die gleiche
Lautstärke hervorzurufen.
Obwohl das Phonmaß den Höreigenschaften
des Ohres schon weitgehend gerecht wird, ist es doch
noch nicht für alle subjektiven Wahrnehmungen
von Schall befriedigend.
Man hat daher außerdem noch das sogenannte
Sone-Maß eingeführt. Dieses
Lautheitsmaß berücksichtigt besonders die
subjektive Empfindung, die man im mittleren
Lautstärkebereich hat.
Hört man nämlich einen Schall mit
50 Phon und steigert man ihn auf 60 Phon, dann
hat man das Empfinden einer Verdopplung der
Lautstärke. Von 60 auf 70 Phon
ergibt sich wieder eine Verdopplung usw., was im
Sone-Maß besser zum Ausdruck kommt.
Mit zunehmendem Alter geht die
Hörempfindlichkeit für hohe Frequenzen
zurück. Dies liegt an der Verhärtung des
Trommelfells, der Gelenke von Hammer, Amboß,
Steigbügel usw.
In untenstehender Tabelle sind diese
Zusammenhänge dargestellt.
| Alter |
8kHz |
10kHz |
12kHz |
14kHz |
16kHz |
18kHz |
| 20-29 |
100 |
100 |
100 |
90 |
60 |
40 |
| 30-39 |
100 |
100 |
90 |
70 |
30 |
20 |
| 40-49 |
100 |
90 |
70 |
40 |
15 |
10 |
| 50-59 |
100 |
80 |
40 |
20 |
5 |
0 |
| 60-69 |
90 |
70 |
20 |
0 |
0 |
0 |
Diese Tabelle stellt Mittelwerte
dar, die bei einer größeren Zahl von
Versuchspersonen aufgenommen wurden. Sie gibt die
Prozentzahl der Personen an, die in einem normalen
Zimmer bei einem Schalldruck von etwa 1 ubar die
jeweilige Frequenz noch hören.
Die Auswirkung dieser Altersabhängigkeit wird
vielfach überschätzt.
Man muß dabei bedenken, daß die Abnahme
der Hörempfindung für hohe Frequenzen
oktavenmäßig und nicht nach
Frequenzhöhen zu betrachten ist. Der Bereich von
8000 bis 16000 Hz ist nur
1 Oktave. Bei Lautsprecherwiedergabe ist im
Vergleich dazu häufig die Tiefenwiedergabe
infolge ungünstiger Abstrahlbedingungen
schlecht.
Wird dabei als untere Grenzfrequenz z. B.
130 Hz abgestrahlt, dann bedeutet dieses einen
Verlust von 3 Oktaven.
Man beobachtet häufig, daß bei
Lautsprecherwiedergabe in Kaufhäusern,
Fahrstühlen und dergl. der Bereich der hohen
Frequenzen absichtlich beschnitten wird.
Diese Maßnahme ist ein Problem der sogenannten
psychologischen Akustik (Auswirkung auf seelische
Bezirke).
Die Sprache und viele Musikinstrumente haben
nämlich in bezug auf hohe Frequenzen eine starke
Richtwirkung. Das wirkt sich auf Grund der
Hörgewohnheit so aus, daß der Hörer
unbewußt zur Konzentration auf solche
Frequenzen gezwungen wird.
Wird eine Lautsprecherwiedergabe nun nicht mit
Aufmerksamkeit gehört, sondern nur als
"Berieselung" oder Hintergrundgeräusch benutzt,
dann wird dieser unbewußte Zwang zur
Lästigkeit. Verstärkt wird diese
Erscheinung noch bei übermüdung oder
höherer nervlicher Reizbarkeit.
Die dunklere Wiedergabe wird dann meist als
angenehmer empfunden.
Eine weitere Erklärung für das
gefühlsbedingte Beschneiden der hohen Frequenzen
ergibt sich aus den Gesetzmäßigkeiten der
Schallausbreitung.
In der Luft werden die hohen Frequenzen wesentlich
stärker absorbiert als die tiefen Frequenzen.
Will jemand eine Lautsprecherwiedergabe leiser
stellen, dann entspricht das dem vergleichbaren
Originalfall, daß er einen größeren
Abstand zur Schallquelle einnehmen will.
In diesem Fall hört er dann die hohen Frequenzen
relativ leiser als die tiefen Frequenzen und ahmt das
gefühlsmäßig durch dunklere
Klangfarbe nach.
Die Beziehungen von Reizgröße und
Empfindungsgröße werden bei Versuchen in
einem "objektivierten wissenschaftlichem Klima" meist
mit Sinustönen oder Rauschen gewonnen. Diese
Hörbedingungen unterscheiden sich von denen, wie
wir sie z.B. beim Hören von Musik vorfinden,
erheblich, denn ein Ton in einem Musikstück hat
nicht nur Lautheit, Dauer und Tonhöhe, sondern
ist auch musikalischer Sinnträger.
Er hat eine bestimmte Stellung in einer Melodie oder
Harmonie, oder er ist Träger eines Wortes; er
kann aber auch Teil eines lästigen
Geräusches sein. Diese verschiedenen
Sinnfunktionen, die ein Ton annehmen kann,
beeinflussen natürlich die Empfindung
außerordentlich.
Weiteren Aufschluß könnten hier nur
spezielle psychologische Testmethoden bringen.
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Summeneffekt mehrerer
Schallquellen: |
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Wenn mehrere Schallquellen
zusammenwirken, erhöht sich die
Schallstärke und damit im allgemeinen auch die
empfundene Lautstärke. Hierbei sind jedoch
besondere Gesetzmäßigkeilten zu beachten,
die auch beim Zusammenwirken von mehreren
Lautsprechern eine Rolle spielen.
Beispiel: Eine einzelne Geige kann in einem Raum mit
einer mittleren Lautstärke mit 50 Phon
gehört werden. Bei 4 Geigen ist
erfahrungsgemäß die Lautstärke nicht
4×50, also 200 Phon (was weit über der
Schmerzgrenze läge), sondern aufgrund der
logarithmischen Ohrenempfindlichkeit nur um wenig
lauter. Die gehörmäßige
Lautstärkezunahme ergibt sich aus folgender
Tabelle:
| Zahl der gleichstarken
Schallquellen: |
Lautstärkeerhöhung
[Phon]: |
| 2 |
3 |
| 3 |
4.8 |
| 4 |
6 |
| 5 |
7 |
| 6 |
7.8 |
| 7 |
8.5 |
| 8 |
9 |
| 9 |
9.5 |
| 10 |
10 |
Im obigen Beispiel wäre also
die Gesamtlautstärke der vier Geigen
56 Phon. Wäre die Lautstärke jeder
Geige z. B. 35 Phon, dann wäre die
Gesamtlautstärke bei 4 Geigen 41 Phon.
Die Tabelle gilt jedoch nur, wenn die Schallquellen
die gleichen Frequenzen abgeben. Weichen die
Frequenzen voneinander ab, geht die Summenwirkung
zurück.
Hörversuche haben ergeben, daß
insbesondere im Bereich 200-20000 Hz bereits ein
Unterschied von 4 % zwischen den Frequenzen zweier
gleichstarker Schallquellen schon keine merkliche
Lautstärkenerhöhung mehr bringt.
Von einem größeren Frequenzgemisch
unterschiedlicher Schallstärke wird die
empfundene Lautstärke durch den lautesten
Teilton bestimmt. Schwingungen, die um mehr als 20 %
von dieser Frequenz abweichen, tragen praktisch
nichts mehr zur Erhöhung der Lautstärke
bei.
Die Wiedergabe einer Darbietung über mehrere
Lautsprecher von gleichem Wirkungsgrad kann aus
diesen Gründen nur unwesentlich eine
Erhöhung der Gesamtlautstärke
gegenüber nur einem Lautsprecher ergeben. Eine
Erhöhung ist überhaupt nur zu erwarten,
wenn die Lautsprecher außer gleichen Frequenzen
auch die gleiche Leistung zugeführt erhalten.
Vielfach liegen die Verhältnisse bei der
Lautsprecherwiedergabe jedoch so, daß alle
Lautsprecher sich die Leistung teilen, die sonst nur
einem Lautsprecher zugeführt wird. Eine
Kombination aus mehreren Lautsprechern strebt man
deshalb nicht aus Gründen der
Lautstärke-Erhöhung an, sondern zur
Verbesserung der übertragungseigenschaften
hinsichtlich Frequenzbereich, Verzerrungen usw. .
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Dieser Effekt kann bei der
Lautsprecherwiedergabe von Bedeutung sein und zeigt
folgende Gesetzmäßigkeit:
Wird vom Gehör bereits ein Ton bestimmter
Lautstärke wahrgenommen, dann geht die
Empfindlichkeit für leise andere Töne
zurück.
Hierbei kann sogar der Fall eintreten, daß man
den leiseren Ton überhaupt nicht mehr wahrnimmt.
Diese Verdeckung hängt neben der Lautstärke
des stärkeren Tones noch vom
frequenzmäßigen Abstand der leiseren
Töne vom stärkeren ab.
Man hat dabei z. B. folgende
Gesetzmäßigkeiten festgestellt:
Ein hoher Ton verdeckt einen tieferen sehr leicht,
wenn beide Töne nicht weit voneinander entfernt
sind.
Ein tiefer Ton verdeckt einen viel höheren nur,
wenn er in sehr großer Lautstärke
vorhanden ist.
Bei Klanggemischen treten dabei komplizierte
Zusammenhänge auf, wenn man dazu noch die
Abhängigkeit der Schallwahrnehmung vom
Schalldruck berücksichtigt. Aus diesen Tatsachen
erklärt sich, daß man mit zunehmender
Pegelstärke der Wiedergabe tiefe Töne immer
besser wahrnimmt, weil der Verdeckungseffekt, der
durch höhere Töne verursacht wird, dabei
nachläßt.
Es ist auch leicht vorstellbar, daß bei der
Pegelabhängigkeit des Verdeckungseffekts
subjektiv eine unterschiedliche
Wiedergabequalität festgestellt werden kann, je
nachdem, mit welcher Lautstärke ein
Schallereignis über Lautsprecher wiedergegeben
wird.
Hierdurch bestätigt sich die Beobachtung,
daß eine Wiedergabe dann den Originaleindruck
vermittelt, wenn sie etwa ebenso laut wie die
Originaldarbietung abgestrahlt wird.
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Das Ohr besitzt eine weitere
Eigenschaft, die der des Auges sehr ähnlich ist.
Unser Auge vermag sich bekanntlich verschiedenen
Helligkeitsstufen seiner Umgebung anzupassen, indem
es durch uns unbewußte änderung der
Pupillenweite eine bestimmte Lichtmenge für die
dahinterliegenden Sehnerven durchläßt.
Diese mit Adaption bezeichnete Eigenschaft ist auch
beim Gehör in besonderer Weise vorhanden.
So stellt sich das Gehör z. B. beim Hören
eines bestimmten Musikstückes auf einen
mittleren Pegel. Wird plötzlich der Schallpegel
geändert, dann braucht das Gehör eine
übergangszeit, bis es sich dem neuen Pegel
anpaßt. Dies ist etwa mit dem Blinzeln des
Auges bei plötzlicher Helligkeitssteigerung zu
vergleichen. Wir erleichtern damit dem Auge die
Adaption an die neue Lichtstufe.
Auf ähnliche Weise erklärt sich auch die
beim Hören von Rundfunkübertragungen
beobachtete Eigentümlichkeit, daß z. B.
nach einer mit großem Orchester gespielten
Sinfonie der Lautstärkepegel des Ansagers je
nach Voraussetzung zu laut oder zu leise empfunden
wird. Diese schon früher beobachtete
Ohreigenschaft wird seit einigen Jahren intensiver
untersucht.
Die Gesetzmäßigkeiten, die man dabei
entdeckt, werden sicherlich wichtige Anhaltspunkte
für die Beschallung von Räumen mit
Lautsprechern ergeben.
Aus dem Adaptionseffekt ergibt sich bereits jetzt die
Erkenntnis, daß eine hochwertige
übertragungsanlage bei richtiger Einstellung im
Wohnzimmer auch leise eine ausgezeichnete
Wiedergabequalität erzielen kann.
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Verzerrungen durch das
Gehör |
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Bei der Weiterleitung der durch
ein Schallereignis hervorgerufenen Impulse auf den
Gehörnerven treten Verzerrungen auf. Ein
Sinuston wird dabei mit Oberwellen versehen, die aber
nicht hörbar sind, da die Hörempfindung auf
das Leitungssystem des Ohres abgestimmt ist.
Ein obertonreicher Klang kann daher Obertöne
enthalten, die mit den systembedingten zusammenfallen
und daher unhörbar bleiben. Dagegen sind die
Kombinationstöne (Summen- und
Differenzfrequenzen)dieser unhörbaren Frequenzen
sehr deutlich hörbar, soweit sie ins
hörbare Spektrum fallen. Besonders kritisch ist
das Frequenzverhältnis 3:2 (Quinte). Fast ebenso
empfindlich bezüglich der Hörbarkeit von
Verzerrungen des Gehörs sind die obertonreichen
Klänge einiger Musikinstrumente
(Blockflöte) bei großen Lautstärken.
Die Kombinationstöne des Gehörs spielen
eine wichtige Rolle bei der Einteilung der Intervalle
in Konsonanzen und Dissonanzen.
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Hörbarkeit linearer
Verzerrungen: |
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Bei der übertragung von
Sprache und Musik vom Mikrofon bis zum Lautsprecher
können Verzerrungen entstehen. Man unterscheidet
lineare und nichtlineare Verzerrungen. Unter linearen
Verzerrungen versteht man Abweichungen von einer
geraden Ubertragungscharakteristik, wie sie als
Beispiele in Bild dargestellt sind.
Im Bild ist eine waagerechte Linie
gezeichnet, die die Kennlinie eines
übertragungsgliedes, z. B. eines Lautsprechers,
darstellen soll.
Würde diese Linie über den gesamten
Frequenzbereich von 20-20000 Hz schnurgerade
verlaufen, dann würden alle Frequenzen
gleichmäßig übertragen.
In Wirklichkeit treten aber bei Lautsprechern
Abweichungen von der geraden Linie auf, indem
bestimmte Frequenzen oder Frequenzbereiche
hervorgehoben oder benachteiligt werden.
So zeigt die übertragungskurve von Bild an der
Stelle 1 eine muldenförmige Senke von der
ungefähren Breite einer Oktave, an der
Stelle 2 einen resonanzartigen Höcker von
der Breite einer Terz (gemessen von den
Fußpunkten aus), an der Stelle 3 einen
resonanzartigen Einbruch und an der Stelle 4 ein
allmähliches Absinken.
Die Grenze der Hörbarkeit solcher
änderungen ist durch die
Frequenzselektivität und die
Pegelunterschiedsschwelle des Gehör bestimmt.
Demnach wird bei breitbandigen Schallen eine
unmittelbare änderung des
Amplitudenfrequenzganges dann bemerkt, wenn sich der
Pegel in irgendeiner Frequenzgruppe um mehr als 1 dB
ändert.
Dieser geringe Wert gilt jedoch nur für den
direkten Vergleich.
In der Praxis ist dieser direkte Vergleich nicht
möglich, vielmehr ist man auf seine Erinnerung
oder Erfahrung bezüglich des Klangeindruckes
angewiesen, den ein Schall im Original hervorgerufen
hat. Für diesen Fall sind Werte für
Pegeleinbrüche oder -überhöhungen
einzusetzen, die etwa zwei- bis dreimal so groß
sind.
Zur Untersuchung der Einflüsse von
nichtlinearen Verzerrungen auf die Wiedergabe von
Sprache und Musik hat man mit elektronischen Mitteln
künstlich beliebige Einbrüche und
Höcker auf der übertragungslinie erzeugt
und durch Testpersonen beurteilen lassen.
Bei älteren Testversuchen hatten sich folgende
Gesetzmäßigkeiten ergeben:
-
Oktaveinbrüche von 4 dB
Tiefe sind gerade noch wahrnehmbar. Bei tiefen
Frequenzen bis herauf zu 250 Hz können
je nach Musikart sogar noch tiefere
Einbrüche von 6-8 dB unbemerkt bleiben.
(Modernere Untersuchungen kommen auf eine
Wahrnehmbarkeitschwelle bei Oktaveinbrüchen
von 1 dB.)
-
Je schmaler der Einbruch ist,
umso tiefer darf er sein, ohne bemerkt zu werden.
So sind spitze Einbrüche, die schmaler als
eine Terz sind, noch bei 10 dB Tiefe schwer
wahrnehmbar.
-
Gegen Höcker ist das Ohr
empfindlicher. So werden Höcker von
Oktavbreite bei 2 dB wahrnehmbar.
-
Bei resonanzartigen
Höckern kann man bis zu 5 dB
zulassen.
-
Prüft man mit
weißem Rauschen, bei dem also alle
Frequenzen gleichzeitig vorhanden sind, dann
heben sich resonanzartige Höcker als
wahrnehmbare Einzeltöne aus dem Rauschen
heraus. Breitere Höcker oder
Uberhöhungen geben dem Rauschen eine
bestimmte Klangfarbe.
Bei diesen
Gesetzmäßigkeiten muß man
berücksichtigen, daß sie nur für
einzelne Einbrüche oder Höcker gelten.
Bei mehreren Abweichungen kommt es darauf an, wie
viele es sind, wie dicht sie beieinander liegen,
inwieweit Höcker und Einbrüche aufeinander
folgen usw.
Es hat sich gezeigt, daß am empfindlichsten
gegen lineare Verzerrungen Klaviermusik ist,
während bei Orchestermusik größere
Werte zugelassen werden können.
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Hörbarkeit
nichtlinearer Verzerrungen: |
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|
Von derartigen Verzerrungen
spricht man, wenn bei der elektroakustischen
Ubertragung neue, im Original nicht vorhandene
Töne auftreten.
Verursacht werden solche Verzerrungen durch
Schaltelemente, die keine geradlinige Charakteristik
haben, wie Transistoren, Röhren, übertrager
und Lautsprecher. In erster Linie treten harmonische
Obertöne auf, die in der Regel umso kleiner
sind, je höher die Stellungszahl der
Harmonischen ist. Die 5. Harmonische ist z. B.
kleiner als die 3. Harmonische.
Das Maß für diese Art von Verzerrungen ist
der Klirrfaktor, der in Prozenten angegeben wird. Er
wird gemessen, indem man eine Meßfrequenz an
das zu prüfende Gerät legt und die
entstehenden Obertöne mißt.
So mißt man z. B. beim Lautsprecher die
abgestrahlten Schallwellen mit einem Mikrofon. Aus
der Mikrofonspannung filtert man die zu untersuchende
Harmonische heraus und setzt sie ins Verhältnis
zur Gesamtspannung, die der Lautsprecher im Mikrofon
erzeugt.
Es ist
mit
kn = Klirrfaktor der
n-ten Harmonischen
Un = Spannung entspricht
der n-ten Harmonischen
Ua = Gesamtspannung
entspricht dem Gesamtschall
So unterscheidet man k2, k3 usw. entsprechend der
2. Harmonischen, 3. Harmonischen usw.. Der
Gesamtklirrfaktor, den alle Harmonischen zusammen
hervorrufen, ergibt sich aus
|
k = sqrt(k22 + k
32 + k4
2 + ...) |
mit
k = Gesamtklirrfaktor
k2 = Klirrfaktor der
2. Harmonischen
k3 = Klirrfaktor der
3. Harmonischen
k4 = Klirrfaktor der
4. Harmonischen usw.
sqrt() = Quadratwurzel
Die Hörbarkeit des Klirrfaktors hängt ab
vom übertragenen Frequenzbereich.
Je größer der übertragungsbereich,
desto höher sind die Anforderungen.
überträgt man bis 4000 Hz, dann ist
erst 1.4 % wahrnehmbar und 8 %
erträglich.
überträgt man bis 15000 Hz, dann ist
bereits 0.8 % hörbar und 2-3 %
erträglich. Diese Zahlenwerte stellen jedoch nur
Richtwerte dar.
Man hat nämlich festgestellt, daß je nach
Musikübertragung mitunter schon kleinere
Klirrfaktoren bemerkbar sind, während bei
anderen übertragungen größere
Klirrfaktoren noch nicht stören.
Dies liegt daran, daß entsprechend der o.a.
Formel die beteiligten Einzelklirrfaktoren mit dem
gleichen Gewicht am Gesamtklirrfaktor beteiligt sind.
Das Gehör bewertet aber die Klirrfaktoren der
einzelnen Harmonischen unterschiedlich, wie an einem
einfachen Beispiel erkennbar ist.
Stellt man z. B. zum Grundton von 100 Hz (der
auch als 1. Harmonische bezeichnet wird) die
zugehörigen Harmonischen tabellarisch zusammen,
und vergleicht man damit die Oktaven, die zu
100 Hz gehören, dann ergibt sich folgende
Tabelle:
| Harmonische: |
1. |
2. |
3. |
4. |
5. |
6. |
7. |
8. |
| Frequenz |
100 |
200 |
300 |
400 |
500 |
600 |
700 |
800 |
| Oktaven |
100 |
200 |
|
400 |
|
|
|
800 |
Man erkennt, daß die
1., 2. und 8. Harmonische mit den
Oktaven übereinstimmen, in ihrer Klangwirkung
also harmonisch empfunden werden und nicht als
Verzerrung auffallen können.
Betrachtet man dagegen z. B. die 7. Harmonische,
dann erkennt man, daß sie mit 700 Hz
unharmonisch neben dem Oktavton 800 Hz liegt.
Sie macht sich also störend bemerkbar.
Wollte man dies in einer Klirrfaktorformel
berücksichtigen, dann müßte man den
Klirrfaktoren der einzelnen Harmonischen ein
verschiedenes Gewicht zuordnen. Dazu wurden
verschiedene Vorschläge unterbreitet.
Man sollte z. B. die Wirkung einer n-ten
Harmonischen noch multiplizieren mit n/2, nach einem
anderen Vorschlag mit n2/4 usw. Eine
Vereinheitlichung war jedoch bis zum
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich.
Trotzdem kann die Klirrfaktordefinition nach o.a.
Formel entsprechend DIN 45403 als
Qualitätsmaßstab verwendet werden, denn
grundsätzlich wird eine übertragungsanlage
eine um so höhere Wiedergabequalität
bieten, je kleiner der Klirrfaktor ist.
Kritischer werden nichtlineare Verzerrungen, wenn
gleichzeitig mehrere Töne übertragen
werden, wie es praktisch fast ausschließlich
der Fall ist.
Hierbei werden durch die Verzerrungseigenschaften
aus den zu übertragenden Frequenzen
zusätzlich noch Summen- und Differenztöne
gebildet. Sollen z. B. die beiden Frequenzen
700 Hz und 1000 Hz übertragen werden,
dann entstehen zusätzlich die Frequenzen 1700
und 300 Hz neben der Harmonischen 1400 Hz,
2000 Hz, 2100 Hz, 3000 Hz usw..
Meist liegen die Summen- und Differenztöne sehr
unharmonisch im Gesamtklang und fallen dabei
störend auf. Zur Messung verwendet man nach dem
Differenztonverfahren zwei Meßfrequenzen, die
man gleitend durch das ganze
übertragungsfrequenzband variiert, wobei man die
Amplitude und den gegenseitigen Abstand der beiden
Frequenzen gleich groß hält.
Die Verzerrungsanteile lassen sich dann analysieren,
wobei man Meßgrößen erhält, die
in der Klirrfaktormessung allein nicht erfaßt
werden. Das Differenztonverfahren ist aber wenig
gebräuchlich, da es sehr umständlich ist.
Daher sind keine Erfahrungsgrößen bekannt,
nach denen Qualitätsmaßstäbe
aufstellbar wären.
Eine häufiger verwendete Methode ergibt sich
aus dem Intermodulationsverfahren.
Hierbei verwendet man zwei feststehende Frequenzen,
z. B. 100 Hz und 4000 Hz (oder 250 Hz
und 8000 Hz), deren Amplituden verschieden sind.
Meist setzt man das Amplitudenverhältnis 4:1
fest.
Es entstehen hierbei Summen- und Differenzprodukte,
die man wegen der zusätzlichen
Amplitudenabhängigkeit als
Intermodulationsfrequenzen bezeichnet.
Nach DIN 45403 Blatt 3 setzt man bei der
Messung alle entstehenden Fremdfrequenzen ins
Verhältnis zur oberen der beiden
Meßfrequenzen.
Dieser Intermodulationsfaktor m wird bei Solostellen
(Geigen, Flöten, Klavier) in hochwertigen
Anlagen bereits bei 0.5 % hörbar. Im
allgemeinen werden jedoch 1-2 % noch als
ausreichend angesehen. Die Verzerrungen machen sich
meist dadurch bemerkbar, daß die Klänge
rauh, heiser oder sogar zischend verändert
werden.
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Die Fähigkeit des Ohres, sich
in bezug auf Schallwellen räumlich zu
orientieren, d. h. aufgrund der wahrgenommenen
Schallwellen ohne Unterstützung durch das Sehen
eine Lokalisierung der Schallquellen vorzunehmen, ist
für eine elektroakustische
Stereoübertragung von besonderer Bedeutung.
Will man eine hochwertige Stereowiedergebe über
Lautsprecher erreichen, dann muß man die
Gesetzmäßigkeiten beachten, die beim
natürlichen räumlichen Hören gelten.
Die räumliche Orientierung läßt sich
auf drei Hauptbereiche beziehen: vorn-hinten,
links-rechts, nah-fern (gelegentlich rechnet man noch
einen vierten Bereich hinzu: oben-unten). Man
faßt alle Bereiche meist unter dem Begriff des
Richtungshörens zusammen.
Im Prinzip kommt das Richtungshören dadurch
zustande, daß das Schallfeld mit den beiden
Ohren an zwei verschiedenen Stellen abgehört
wird. Aus den zwei verschiedenen Klangbildern wird
dem Gehirn der Richtungseindruck vermittelt.
Für das Entstehen des Richtungseindrucks im
Gehör gibt es verschiedene Theorien. Daß
es sich dabei nur um Theorien handeln kann, leuchtet
ein, wenn man bedenkt, daß die Funktionen des
menschlichen Geistes kaum schematisiert werden
können.
Intensitätstheorie (eigentlich
Pegeldifferenztheorie)
Dreht man den Kopf seitlich zu einer Schallquelle,
dann ergibt sich für die Kopfseite, die der
Schallquelle zugewandt ist, eine Stauwirkung. Die
andere Seite des Kopfes wirkt dagegen abschirmend.
Für die beiden Ohren ergibt sich demzufolge ein
Schalldruckpegelunterschied, der zur Lokalistation
(Richtungsorientierung) ausgewertet werden kann. Nun
ist aber der Pegelunterschied für
sinusförmige Schallwellen bei tiefen Frequenzen
sehr klein, bei hohen Frequenzen jedoch groß.
Bei Sprache und Musik müßten die Ohren
demnach laufend eine Mittelwertbildung vornehmen,
woraus dann die Lokalisation folgen würde. Eine
Lokalisation, die nur auf dem Schallpegelunterschied
beruhen würde, wäre nicht sehr scharf.
Klangfarbentheorie
Sie ist verwandt mit der sogenannten
"Intensitätstheorie", wobei aber die bekannte
Tatsache berücksichtigt wird, daß die
Schattenwirkung des Kopfes eine Veränderung der
Klangfarbe hervorruft. Aufgrund der
Klangfarbenunterschiede könnte das Ohr eine
Richtungsbestimmung vornehmen.
Der Lokalisationsvorgang wäre dabei aber von
besonderer Art; während nach der
Pegeldifferenztheorie die Ortung ohne wesentliche
Beteiligung des Gehirns möglich wäre
(physiologischer Effekt), kann die Lokalisation nach
der Klangfarbentheorie nur mit Beteiligung des
Gehirns erfolgen (psychologischer Effekt), weil aus
der Erfahrung und der Erinnerung Vergleiche
herangezogen werden müßten.
Phasentheorie
Hierbei berücksichtigt man, daß bei
seitlicher Kopfstellung zur Schallquelle die
Schallwellen wegen der Wegunterschiede zu den Ohren
mit unterschiedlichen Augenblickswerten der
Schalldrücke an den beiden Ohren eintreffen. Ein
solcher Gangunterschied wird mit Phasendifferenz
bezeichnet. Diese Theorie allein ist aber bei
näherer Betrachtung kaum für das
Richtungshören zutreffend. Dafür gibt es
folgende Gründe: Einmal treten eindeutige
Phasenunterschiede nur bei Sinustönen gleicher
Frequenz auf. Zum anderen sind die Phasenunterschiede
frequenzabhängig, d. h. sie werden mit
zunehmender Frequenz größer. Das
müßte sich dann aber so auswirken,
daß bei einem in der Frequenz ansteigenden Ton
sich für das Gehör laufend die Richtung
ändern würde, was mit der wirklichen
Wahrnehmung nicht übereinstimmt.
Schließlich würde bei hohen Frequenzen,
bei denen der Phasenunterschied größer als
180° ist, ein eindeutiges Richtungshören
unmöglich sein, da das Gehör nicht
feststellen kann, welche der beiden empfangenen
Schallwellen einen Phasenvorsprung und welche einen
Phasenrückstand hat.
Zeittheorie
Diese ist verwandt mit der Phasentheorie, wobei man
aber den Gangunterschied für ein Frequenzgemisch
in Betracht zieht. Bei einem Schall, der mehrere
verschiedene Frequenzen enthält, wie es
praktisch immer der Fall ist, kann man nämlich
nicht mehr von Phasendifferenzen sprechen.
Man spricht dann besser von einem Zeitunterschied der
beiden Klangfolgen, der bei seitlicher Kopfhaltung
zur Schallquelle an den Ohren feststellbar ist.
Messungen haben bestätigt, daß das
Gehör Zeitdifferenzen noch in der
Größenordnung von 1/300 ms wahrnehmen
kann.
Kombinationstheorie
Betrachtet man die verschiedenen Theorien der
vorigen Abschnitte, dann ergibt sich die
Wahrscheinlichkeit, daß das Gehör die
Richtungsorientierung aus mehreren Komponenten
bezieht. So treten z. B. bei Musikklängen Pegel-
und Zeitdifferenzen praktisch immer gleichzeitig auf.
Es ist wahrscheinlich, daß das Gehör den
besten Stereoeindruck gewinnt, wenn beide
Komponenten, die die beiden Ohren vermitteln,
zueinander passen. Erhärtet wird diese Theorie
durch Versuchsergebnisse, die man auf elektrischem
Wege mit Hilfe von Lautsprechern gewonnen hat.
Stellt man z. B. zwei Lautsprecher im Abstand von
einigen Metern so auf, wie es bei einer
Stereoübertragung üblich ist, dann kann man
bei einer Testperson durch zwei genau
übereinstimmende Klangübertragungen aus
beiden Lautsprechern den Eindruck gewinnen, daß
die Schallquelle in der Mitte zwischen den
Lautsprechern geortet wird. Verändert man nun
die Zeitdifferenz der beiden Klangübertragungen,
dann scheint die Schallquelle für die Testperson
zur Seite auszuwandern.
Den gleichen Effekt erreicht man aber auch, wenn man
statt der Zeitdifferenz einen
Intensitätsunterschied einstellt.
Zahlenmäßig hat sich hierbei ergeben,
daß je nach Klangzusammensetzung z. B. ein
Zeitunterschied von 1 ms durch einen
Intensitätsunterschied von
5 bis 12 dB ersetzt werden kann.
Präzedenzeffekt
Dieser auch mit Haaseffekt bezeichnete Einfluß
auf die Richtungsempfindlichkeit ist eine weitere
Eigenschaft des Gehörs.
Das Gehör ortet nämlich eine Schallquelle
immer nach der Richtung, aus der die erste
Schallfront ankommt. Wird zum Beispiel in einem
Vortragssaal zur Verständlichkeitserhöhung
eine Lautsprecherübertragung vorgenommen, dann
hört man den Schall aus dem Lautsprecher, der
einem am nächsten ist. Das kann
möglicherweise ein Lautsprecher sein, der an der
Wandseite des Raumes liegt und mit der Richtung zum
Sprecher nicht übereinstimmt.
Das kann die Aufmerksamkeit des Hörers sehr
stören. In solchen Fällen verzögert
man elektronisch die zu verstärkende
Mikrofonspannung, so daß der verstärkte
Schall gegenüber dem direkten Schall
verspätet zum Hörer gelangt. Der Hörer
bezieht den Schalleindruck auf den Sprecher selbst,
und der verzögert ankommende Schall erhöht
nur die Lautstärke und damit die
Verständlichkeit. Dieser Effekt ist wirksam,
solange die Verzögerung nicht länger als
20 ms dauert.
Interessant ist außerdem, daß die Ortung
auf die erste Schallfront auch noch erhalten bleibt,
wenn der verstärkte Schall wesentlich lauter ist
als der Originalschall des Sprechers. Der Haas-Effekt
spielt auch bei der stereophonischen Ubertragung in
Wohnräumen eine Rolle, wo Schallanteile das Ohr
sowohl auf direktem als auch auf indirektem Wege -
über Reflexionen - erreichen.
Hierdurch erklärt sich die Erscheinung,
daß man auch in einem halligen Raum trotz
vieler Reflexionen eine gute Ortungsmöglichkeit
hat.
Enveloppenhören
Während sich die Theorien und Effekte der
vorhergehenden Kapitel auf das Richtungshören
der Rechts-Links-Orientierung beziehen, ergibt sich
die Orientierung nach nah bzw. fern aus der
Eigenschaft des Gehörs, die Hüllkurve oder
Enveloppe eines Klanges zu bewerten.
Diese Hüllkurve ist von der Phasenlage der
Frequenzen zueinander abhängig, wie in Abbildung
an einem Beispiel erläutert wird.
In der Abbildung ist eine Frequenz
1 mit einer anderen Frequenz 2 durch Addition der
Amplituden überlagert.
Hieraus ergibt sich eine Summen- oder Hüllkurve
3 von besonderer Gestalt. Verändert man die
Phasenlage der Frequenz 2 z. B. um 180°, dann
entsteht eine Enveloppe von anderer Gestalt, wie
rechts in der Abbildung zu erkennen ist. Insbesondere
unterscheiden sich die Enveloppen durch die jeweilige
Steilheit der Schallfront.
Untersuchungen haben dabei ergeben, daß das
sogenannte "Ohmsche Gesetz der Akustik" nur bedingt
richtig ist. Ohm hatte seinerzeit aufgrund seiner
Versuche angenommen, daß das Gehör beim
Hören eines Klanggemisches eine Zerlegung in die
einzelnen Teiltöne vornimmt und auf diese Weise
den Höreindruck dem Gehirn vermittelt. Er war
der Ansicht, daß dabei die Phasenlage der
Teiltöne zueinander keine Rolle spielt. In
Wirklichkeit wird jedoch vom Gehör -
insbesondere bei tiefen Frequenzen, bei denen
große Amplituden auftreten - die Enveloppe des
Gesamtschalls ausgewertet.
Das Enveloppenhören vermittelt interessante
Höreffekte.
So gibt z. B. die Orgel des Stiftes St. Florian bei
Linz als tiefsten Pfeifenton 12.5 Hz ab. Die
Töne in diesem Bereich sind, für sich
allein gespielt, nicht hörbar, da sie unter der
unteren Hörgrenze liegen. Im Zusammenspiel mit
anderen Tönen jedoch tragen sie sehr dazu bei,
eine kräftige und plastische sowie besonders
räumlich nahe Klangwirkung zu erzeugen.
(Siehe E. Skudrzyk: Grundlagen der Akustik,
Springer-Verlag 1954, Seite 624).
Besonders wichtig ist das Hören der Enveloppe
bei kurzzeitigen Schallvorgängen, wie sie bei
Ein- und Ausschwingvorgängen auftreten. Dies
spielt eine wichtige Rolle bei hochwertiger
Lautsprecherwiedergabe.
Dank an Eberhard Sengpiel (http://www.sengpielaudio.com)
für Hinweise und Ergänzungen.
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Summenlokalisationseffekt: |
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Stellt man zwei Lautsprecher L1
und L2, die gleichzeitig exakt dasselbe Signal
abstrahlen, in einem bestimmten Abstand b voneinander
auf, so ortet der Hörer H nicht zwei getrennte
Signale bei L1 und L2, sondern eine einzige fiktive
Schallquelle S in der Mitte der Basis zwischen den
beiden Lautsprechern.
Erzeugt und verändert man innerhalb bestimmter
Grenzen kontinuierlich die Pegel und/oder
Laufzeitdifferenzen der Signale, so wandert die
fiktive Schallquelle entlang der Lautsprecherbasis,
bis sie schließlich in einem der beiden
Lautsprecher stehen bleibt.
Dieser Effekt macht die Illusion einer
räumlichen Schallwiedergabe mit einer begrenzten
Anzahl von Einzellautsprechern möglich und wird
als Summenlokalisationseffekt bezeichnet.
Bei der stereofonen
Lautsprecherwiedergabe überlagern sich also zwei
Schallfelder.
Hierbei erhält jedes Ohr von jedem Lautsprecher
einen bestimmten Schallanteil, aus deren Pegel- und
Laufzeitdifferenzen dann durch Summenlokalisation der
Richtungseindruck (für eine fiktive
Schallquelle) entsteht.
Voraussetzungen für die einwandfreie Ortbarkeit
durch Summenlokalisation sind, daß die
Lautsprecher alle von derselben Schallquelle
stammenden Signale ohne Phasenumkehr abstrahlen,
daß die Pegel- und/oder Laufzeitdifferenzen
innerhalb bestimmter Grenzen bleiben und daß
sich der Hörerin einer bestimmten geometrischen
Anordnung zu den Lautsprechern sich befindet,
nämlich innerhalb der sogenannten
Stereo-Hörfläche.
Je nach angewandtem Aufnahmeverfahren treten Pegel-
und Laufzeitunterschiede allein oder gleichzeitig
auf.
Summenlokalisation bei Pegeldifferenzen
Strahlen bei der Wiedergabeanordnung die beiden
Lautsprecher exakt dasselbe Signal phasengleich ab,
so wird bei gleichem Pegel von L1 und L2 eine fiktive
Schallquelle S genau in der Mitte der Basis geortet.
Bei Pegeldifferenzen wandert die fiktive
Schallquelle auf der Basis seitlich aus, um bei einer
Pegeldifferenz von ca. 30 dB ganz am Ort des
Lautsprechers mit dem höheren Pegel stehen zu
bleiben.
Bereits bei 15 dB Pegeldifferenz befindet sie
sich so nahe am Lautsprecher, daß sie in der
Praxis bereits ganz seitlich geortet wird.
Der experimentell ermittelte Zusammenhang zwischen
dem Winkel a und der Pegeldifferenz dL für
Frequenzen zwischen 330 Hz und 7800 Hz bei
einer Basisbreite von 3 Metern und einem
Basisöffnungswinkel von 60° vom Hörer
aus gesehen ist im Bild wiedergegeben.
Diese Kurven gelten nicht für den Zusammenhang
Schallquellenrichtung - interaurale
Intensitätsdifferenzen beim natürlichen
Hören.
Summenlokalisation bei Laufzeitdifferenzen
Bei Laufzeitdifferenzen entstehen
nicht so scharfe fiktive Schallquellen wie bei
Pegelunterschieden. Für Frequenzen unter
200 Hz sind Laufzeitdifferenzen wegen der zu
großen Wellenlängen überhaupt nicht
wahrnehmbar.
Bei Laufzeitunterschieden bis zu 30 ms wird der
sogenannte Haas-Effekt wirksam (s. Abschnitt
über räumliches
Hören), wonach nur derjenige Lautsprecher
als Sitz der Schallquelle geortet wird, der das
Signal zuerst abstrahlt, auch wenn der andere
Lautsprecher einen bis zu 10 dB höheren
Pegel besitzt.
Bei Laufzeitunterschieden von (je nach der Struktur
des Signales) mehr als 40 bis 90 ms werden
schließlich zwei richtungsmäßig und
zeitlich getrennte Signale gehört.
Der übergang zwischen diesen Bereichen der
Laufzeitdifferenzen ist gleitend. Dadurch ergibt sich
ein Bereich, in dem die fiktive Schallquelle
über die gesamte Basis ausgedehnt erscheint.
Dieses Phänomen tritt in der Praxis jedoch nicht
in Erscheinung, da stets Pegel- und
Laufzeitdifferenzen gleichzeitig vorhanden sind.
Zusammenwirken von Pegel- und
Laufzeitdifferenzen
Bei jeder räumlichen Schallübertragung
wirken Pegel- und Laufzeitdifferenzen, wenn sie
gleichzeitig auftreten, zusammen.
Sind sie gleichsinnig gerichtet, so addieren sie
sich in ihrer Wirkung, sind sie gegensinnig
gerichtet, so heben sie sich ganz oder teilweise auf.
Dies gilt besonders für den Bereich bis etwa 18
dB Pegeldifferenz und bis etwa 3 ms
Laufzeitunterschied.
Ein besonderes Phänomen tritt in den Fällen
auf, in denen die beiden Lautsprecher Signale mit
sehr großen Phasenunterschieden abstrahlen,
weil sie z. B. falsch zueinander gepolt wurden.
Bei Phasenunterschieden von mehr als 90° bis
270° kann bei entsprechenden
Pegelverhältnissen die virtuelle Schallquelle
aus der Basis der beiden Lautsprecher seitlich
über den einen Lautsprecher hinauswandern.
Gleichzeitig entsteht in der Mitte der Basis ein
sogenanntes Loch.
Solche Anordnungen sind von Spezialeffekten
abgesehen zu vermeiden, da sie ein zerrissenes
Klangbild erzeugen, das nicht mit dem original
übereinstimmt.
Ein Grenzfall ist die "Im-Kopf-Lokalisation" eines
Hörereignisses, die besonders bei
Kopfhörerwiedergabe von Mono- und raumbezogenen
Stereosignalen zu beobachten ist, aber auch bei
Lautsprecherwiedergabe vereinzelt auftreten kann.
Auch sie tritt beim Verpolen auf; die Ursachen sind
jedoch noch nicht eindeutig geklärt.
Stereo-Hörfläche
Wie schon erwähnt ist eine der Voraussetzungen
dafür, daß eine einwandfreie Ortung des
Schalles durch Summenlokalisation möglich ist,
diejenige, daß sich der Hörer in einer
bestimmten geometrischen Anordnung zu den
Lautsprechern befindet.
Diese Bedingung ist erfüllt, wenn er sich auf
der Mittelachse zwischen den Lautsprechern befindet.
Jede Abweichung von dieser Ideallinie bringt
Intensitäts- und Laufzeitdifferenzen am
Hörort und damit ein Auswandern der fiktiven
Schallquelle zur Seite in Richtung des näheren
Lautsprechers mit sich.
Läßt man ein bestimmtes, noch tragbares
Maß der Verschiebung der fiktiven Schallquelle
zu, so ist die Fläche noch ausreichender
Mittenlokalisation, die sogenannte
"Stereo-Hörfläche", ein schmaler Bereich
zwischen den Lautsprechern, der von zwei
Hyperbel-ästen begrenzt wird.
Die Stereo-Hörfläche ist
sehr schmal. Bei einer zugelassenen Verschiebung der
Mittenschallquelle um ± 50 cm bei einer
Basisbreite von 3 m ist die Hörfläche
in 3 m Abstand von der Basis nur etwa
21 cm(!) breit, in 5 m Abstand nur
38 cm.
Bei größerer Basisbreite wird die
Hörfläche sogar noch schmaler,
außerdem besteht die Gefahr, daß in
Basismitte ein Loch entsteht.
Lautsprecher mit großem Abstrahlwinkel
verbreitern die Hörfläche um den Faktor
1.5; sie haben jedoch den Nachteil geringerer
Lokalisationsschärfe.
Die dargestellte Stereo-Hörfläche gilt
allerdings nur bei ungehinderter Schallausbreitung,
also im Freien oder im schalltoten Raum; in kleinen
Räumen ändert sie sich wegen der
Reflexionen an den Wänden beträchtlich.
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Sind Blindtests zum Testen von Audio-Komponenten geeignet? |
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Blindtests (oder auch Doppel-Blindtests) werden gerne von einigen als ultima ratio bei der Beurteilung klanglicher Eigenschaften von Audio-Komponenten angeführt. Wenn diese richtig und unter Beachtung verschiedenster Kriterien durchgeführt werden, wird dem zunächst niemand ernsthaft widersprechen wollen.
Allerdings herrschen noch weit verbreitet Missverständnisse, ab wann ein "Blindtest" wirklich als ein Blindtest anzusehen ist.
Zudem gibt es eine offensichtliche Diskrepanz zwischen vielen Ergebnissen dieser Tests (wenn sie denn diesen Namen wirklich verdienen) und den in der täglichen Hörpraxis von Musikliebhabern überall auf der Welt gemachten Erfahrungen.
Um ein Missverständnis von vornherein auszuschalten: Die Bedeutsamkeit von Blindtests bei spezieller wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung (oder bei Weinproben ;-)) soll hier überhaupt nicht in Frage gestellt werden.
Vielmehr soll die oft vorgebrachte Forderung nach Anwendung bei der gehörmäßigen Auswahl von Audio-Komponenten für den Heimgebrauch seitens der Endverbraucher kritisch hinterfragt werden.
Zunächst sei vorangestellt, dass auch wir (TMR) nach fast dreißig Jahren Tätigkeit in der Entwicklung von Audio-Komponenten (Lautsprecher, Verstärker, Netzentstörung, NF-Verbindungen) trotz mehrfacher Anläufe die Verwendung von Blindtests während der Entwicklung als unproduktiv und daher Zeitverschwendung verworfen haben.
Natürlich werden z.B. zwei technisch gleichberechtigte Schaltungsvarianten auch mal "blind" miteinander verglichen, um sich dann geschmacksmäßig für die anscheinend "bessere" zu entscheiden, aber das ist deshalb noch lange kein Blindtest im eigentlichen Sinne des Wortes.
Uns ist auch kein professionell mit Höreindrucken befasster Arbeitsbereich (sei es im Studio oder im Musikinstrumentenbau) oder auch andere mit Audio-Entwicklung befasste Firmen bekannt, wo man den Einsatz von ernsthaften Blindtests für zwingend notwendig erachten würde. Jemand, der wirklich Kenntnis und Erfahrung der Dinge, die er entwickelt, hat, benötigt so etwas nicht (wenn man davon ausgeht, dass ein Audio-Entwickler nicht jedes Mal bei einer Neuentwicklung an physikalische bzw. psychoakustische Grenzbereiche stößt ;-) ).
Die Wahl und Beurteilung von Audio-Komponenten seitens der Endverbraucher findet zwangsläufig nach rein subjektiven Gesichtspunkten statt. Ziel ist letztendlich die persönliche Zufriedenheit, die durchaus bei jedem Hörer anders ausfallen kann.
Warum sollte also ausgerechnet hier ein Blindtest notwendig sein? Dient er wirklich dem genanntem Zweck? Kann er wirklich das gewünschte subjektiv-objektive Ergebnis liefern, bzw. alle klanglich relevanten Aspekte abdecken?
Ein richtig durchgeführter (Doppel-)Blindtest ist eine sehr aufwendige Angelegenheit, bedarf einer größeren Zahl von vorab ausgesuchten Hörern und muss statistisch sehr genau begleitet werden. Ein ernsthafter Test kann sich leicht über eine Woche hinziehen. Für eine relevante Aussage wird eine Trefferquote von ca. 90% benötigt. Übliche Blindtests im Audio-Bereich erreichen ca. 50% Trefferquote und daher sind die Ergebnisse als quasi zufallsbedingt anzusehen.
Wenn jemand also behauptet, er hätte außerhalb eines wissenschaftlichen Kontexts einen ernsthaften Blindtest erfolgreich durchgeführt, so ist es durchaus legitim, hier von vornherein Zweifel anzumelden.
Blindtests in unserem Zusammenhang sind daher nicht wirklich relevant, sind nicht mehr als ein theoretisches Postulat und spielen in der realen Welt bei der Entscheidungsfindung auch folglich so gut wie keine Rolle. Sie werden aber gerne in Diskussionen (speziell Usenet und Internet) problematisiert und als Messlatte für klangliche Unterschiede zumindest verbal benutzt.
Meistens hat aber hier die Frage nach durchgeführten Blindtests eher argumentativen Totschlagcharakter, um Hörerfahrungen Andersdenkender zu desavouieren.
In diesem Zusammenhang wird dann oftmals zwar hämisch, aber in völliger Verkennung logischer Zusammenhänge eine Begebenheit kolportiert, bei dem angeblich bei einem Blindtest Hörer verschiedene Kabel identifiziert haben, obwohl während des Test immer nur das gleiche Kabel benutzt wurde. Wahrheitsgehalt hin oder her, auf jeden Fall zeigt auch diese Anekdote überdeutlich, dass Blindtests eigentlich zum Test von Audiokomponenten völlig ungeeignet sind.
Daher sollte es zunächst einmal die Frage erlaubt sein, ob überhaupt jemals in einem sachgemäß ausgeführtem und allseits anerkanntem Blindtest (bzw. Doppelblindtest) eindeutige Unterschiede zwischen fehlerfrei konstruierten und installierten Audio-Komponenten (gleich welcher Art, aber immer auf jeweils technisch vergleichbarem Niveau, Lautsprecherboxen einmal ausgenommen) festgestellt wurden?
Auf deutsch: Ist der Blindtest überhaupt ein taugliches Mittel für diesen Zweck?
Die Beantwortung dieser Frage dürfte die Anhänger von Blindtests bei Audiokomponenten in nicht unerhebliche Schwierigkeiten bringen.
Wenn nämlich bislang immer behauptet wurde, dass vorher postulierte Klangunterschiede in der Regel bei Audiokomponenten durch Blindtests nicht verifiziert werden konnten, also es demnach auch keine klanglichen Unterschiede geben dürfte, so lässt sich genau aus dieser Tatsache eine andere, zumindest gleichberechtigte Folgerung ziehen, nämlich die, dass Blindtests für die praktische Feststellung von Klangunterschieden von Audiokomponenten anscheinend ungeeignet sind.
Mit nachfolgenden Erörterungen wollen wir diese Problematik ein wenig beleuchten und unseren eigenen kritischen Standpunkt zu einigen Aspekten vortragen.
Tiefergehende psychoakustischen Aspekte bei der Durchführung von Blindtests müssen unberücksichtigt bleiben, ebenso wie Fragen der Testmethodik, statistischen Auswertung sowie vorangehende Eignungstests der Probanden.
Zur Psychoakustik sei nur soviel angemerkt, daß es nach Stand der heutigen Erkenntnis für das neuronale System garnicht so einfach ist, verschiedene kurz aufeinanderfolgende akustische fast gleichartige Ereignisse, wie es bei einem üblichen Blindtest üblich ist, von einander zu unterscheiden. Das neuronale System arbeitet nach dem Prinzip des "minimalen Aufwandes": In dem Erkenntnisprozess musikalischer (oder anderer sensorischer) Botschaften legt das System zunächst alles beiseite bis auf ein bestimmtes Minimum an Informationshinweisen. Wenn die Erkennung erfolgreich war, wendet sich das System der nächsten Botschaft zu. Wenn nicht, greift es auf das Kurzzeitgedächtnis zurück und sucht nach zusätzlichen Hinweisen. Das gilt nicht nur für Einzeltöne, sondern auch für die musikalische Botschaft als Ganzes:
Das Nervensystem versucht, jede von früheren Erfahrungen her vorhandene Information (d.h. im Langzeitgedächtnis gespeicherte Botschaften) zu benutzen, um den Erkennungsprozeß neu herankommender Information zu beschleunigen und, wenn möglich vorherzusagen.
Diese neuronale Verarbeitungsstrategie ist bei der Sprachwahrnehmung gut bekannt und kann u.a. auf einen natürlich Zusammenhang zwischen Musik und Sprache hindeuten. (Quelle: Juan G. Roederer, Physikalische und psychoakustische Grundlagen der Musik, Springer-Verlag, 2000, ISBN 3-540-61370-6)
Wir wollen uns daher hier nur auf ein paar herausgegriffene Aspekte anderer Art beschränken, die aber jeder für sich schon geeignet ist, Zweifel an der sinnvollen Durchführung dieser Tests aufkommen zu lassen.
Probleme bei der Vorbereitung eines Blindtests
Unbestritten ist natürlich, dass die optische Anmutung des zu testenden Geräts und die markenspezifische Erwartungshaltung seitens des Hörers eine große Rolle spielt - das Auge hört mit.
Daher ist der Grundgedanke und die Intention bei Blindtests von Audiogeräten, nämlich den Hörer im Unklaren zu lassen, welches Gerät er gerade hört, zumindest, wenn es um klangliche Aspekte geht, durchaus nachvollziehbar.
Ohne Zweifel kann man sich, je nach Bedarf, Geräte "schön" oder "schlecht" hören. Die vorherrschende Grundstimmung (inkl. Geldbeutelinhalt) des Probanden bestimmt in hohem Maße das Ergebnis. Kommentare von Mithörern oder Verkäufern können ebenfalls das Ergebnis beeinflussen.
Grundsätzlich sind die bei Blindtests zu erwartenden Unterschiede abhängig von der Art der zu testenden Komponente und bei nichtpathologischen Konstruktionen meistens mehr im Nuancenbereich als im Grobdynamik- und Grobfärbungsbereich zu finden.
Die Unterschiede sind also nicht "weltbewegend", sondern eher subtil. (Das diesem Umstand oft nicht im angemessenem Maße bei der verbalen Beschreibung der klanglichen Unterschiede Rechnung getragen wird, ja hier sogar häufig übertrieben wird, ist ein anderes Thema und hängt mehr mit dem unzureichendem zur Verfügung stehendem Vokabular der Testhörer zusammen.)
Daher erfordert die Durchführung von aussagefähigen Test eine sehr gute und möglichst "neutrale" Wiedergabekette sowie einen Raum mit sehr guten "neutralen" akustischen Eigenschaften.
Vor die Anlage gehört ein akustisch durchlässiger, aber optisch undurchlässiger Vorhang.
Diese Voraussetzungen werden in der Praxis (falls es so etwas überhaupt gibt) bei Nichtprofis (dazu zählen erfahrungsgemäß leider auch viele Fachhändler) fast nirgendwo erfüllt.
Sweet spot
Weiter bestimmt die Größe des "sweet spots" zudem die Anzahl der Hörer, die gleichzeitig unter gleichen Voraussetzungen hören können. Das werden in aller Regel nur ein bis zwei Hörer sein.
Sind es gleichzeitig mehr Zuhörer als der "sweet spot" es prinzipiell zulässt, darf man das Ergebnis dieses Hörtests zumindest mit einem Fragezeichen versehen.
Ein Blindtest in unserem speziellen Fall wird durchgeführt, indem verschiedene gleichartige Komponenten zeitlich hintereinander in einer Audiokette einem Zuhörerkreis vorgeführt werden, ohne dass dieser weiß, um welche Komponente speziell es sich jeweils dabei handelt.
Umschaltzeit
"Zeitlich hintereinander" kann 20 Sekunden oder 10 Minuten bedeuten, wobei die Zeitdauer in jedem Fall ebenfalls Anlass zu jeweils durchaus berechtigter Kritik und Diskussionen bieten kann - bis hin zur Infragestellung des gesamten Tests. Ein gut durchgeführter Test sollte dem Probanden die Wahl des Umschaltzeitpunktes und die Umschaltdauer möglichst selbst überlassen.
Tests, die die Probanden in ein feststehendes Zeitraster zwängen, erzeugen Stress und damit bestenfalls ungenaue Ergebnisse.
Der Testleiter muss sich natürlich jeden Kommentars enthalten oder, wie im Falle des Doppelblindtest, ebenfalls über die Testfolge im unklaren gelassen werden.
Gleicher Wiedergabepegel
Grundvoraussetzung bei abwechselnden Komponenten muss natürlich ein konstanter (d.h. bei allen zu testenden Komponenten gleichartiger) Wiedergabepegel sein.
Das ist schon die erste ernsthafte technische Hürde bei Ausrichtung eines Blindtests. Eine Pegelanpassung ist in der Praxis nicht trivial und erfordert massive elektrische Eingriffe in die Anlagenkonfiguration sowie ein Minimum an Mess-Equipment plus zugehöriger Erfahrung bei der Bedienung.
Man stelle sich beispielsweise einen Endverstärkertest vor. Hier müssen Quellen umgeschaltet und eventuell angepasst werden, während gleichzeitig die Lautsprecherboxen umgeschaltet werden müssen. Ohne externe zusätzliche Gerätschaften, die zumal von sehr hoher Qualität sein müssen, ist das nicht zu schaffen. Wer hat schon solche Geräte zur Verfügung?
Sollen Lautsprecherboxen blind getestet werden, stellt sich sofort die Frage der gleichberechtigten Aufstellung im Raum. In der Industrie sind aufwendige Abhörräume bekannt geworden, bei denen die verschiedenen Lautsprecherpaare karussellartig jeweils an die gleiche Position gesetzt werden. So etwas ist in unserem Fall natürlich für einen Normalanwender undenkbar.
Auch die Einmessung wirft Probleme auf. Unterschiedliches Abstrahlverhalten kann trotz gleichem Pegel am Messplatz zu unterschiedlichem Gesamtlautheitseindruck führen und so das eigentlich zu verhindernde Identifizieren erleichtern, bzw. einen Lautsprechertyp bevorzugen oder benachteiligen helfen.
Höreindruck und Messtechnik
Verstärker, CD-Player (Laufwerk und DA-Wandler) und Leitungen unterscheiden sich bei nichtpathologischen Konstruktionen in ihren allgemein zugänglichen technischen Parametern so gut wie immer erst weit außerhalb des Hörbereiches (Bandbreite) bzw. weit unterhalb der Hörschwelle (Klirrfaktor), wenn wir bei Hörbereich und -schwelle den heutigen Stand der Erkenntnis zugrunde legen.
Kann man also daraus folgern, dass Geräte, die sich messtechnisch im relevantem Hörbereich so gut wie gar nicht unterscheiden, alle also gleich klingen? Dem widerspricht die Erfahrung. Das Thema "Messwerte als Auswahlkriterium" bei diesen Geräten kann schon seit Jahren als irrelevant zu den Akten gelegt werden.
Ähnlich sieht es bei Lautsprecher- und NF-Leitungen aus.
Bei nichtpathologischen Konstruktionen liegen alle Leitungsparameter elektrisch weit außerhalb jeglichen Einflusses auf den Hörbereich, wenn man von "normalen" und quasi-normgerechten Ein- und Ausgangsimpedanzen der angeschlossen Geräte ausgehen kann.
Beim Lautsprecherkabel spielt zwar theoretisch der Leitungswiderstand zusammen mit dem Innenwiderstand der Endstufe u.a. eine Rolle bei der erzielbaren Dämpfung des Tieftöners. Übliche Querschnitte sind aber in der Praxis in dieser Hinsicht unproblematisch, bzw. das klangliche Resultat im Tieftonbereich ist in dieser Hinsicht meistens eher raumabhängig.
Selbst vorher vorgeblich deutliche Klangunterschiede sind häufig während eines Blindtests nicht mehr nachvollziehbar oder es sind eben Unterschiede da, wo eigentlich keine sein dürften.
Nach unserer Erfahrung versagt so gut wie jeder Proband bei einem Blindtest, wenn es um mehr als zwei zu vergleichende Objekte geht, unabhängig vom getestetem Gerät und der persönlichen Hörbildung. Für z.B. eine anstehende Audio-Entwicklung ist das eine ungenügende Grundlage und kein Audio-Entwickler wird sich daher auf die sehr zweifelhaften Ergebnisse eines Blindtests verlassen wollen.
Grundsätzlich kann man der Meinung sein, dass die meisten Klangunterschiede auch messbar sein müssten, aber dazu müssten zunächst erst entsprechende Messverfahren entwickelt werden.
Die Natur gibt nur richtige Antworten, wenn die Fragen richtig gestellt werden. Die meisten Messverfahren sind vermutlich heute noch zu statisch angelegt. Selbst heute bekannte und unstrittige akustische Phänomene lassen sich nur schwer messtechnisch erfassen und mit dem Höreindruck korrelieren.
Mit mittels Sinustönen, Rauschen oder Dirac-Impulsen durchgeführten übertragungsanalysen wird man subtilen Klangunterschieden messtechnisch kaum auf die Spur kommen, höchstens vielleicht mit genau definierten komplexeren Impulsfolgen, wobei die Herstellung einer Korrelation zwischen Hören und Messen dadurch auch nicht einfacher wird. Aber das nur nebenbei.
Beurteilung von Lästigkeit?
Ein ganz wichtiger Punkt bei der Beurteilung von Audio-Komponenten, der bei Durchführung von üblichen Blindtests völlig außen vor gelassen wird, ist das Phänomen der "Lästigkeit".
Eine Komponente erzeugt nach längerem Hören aufgrund spezifischer Verfärbungen und Verzerrungen ein Gefühl der Lästigkeit, das sich durch Unlust zum Weiterhören und Ermüdungserscheinungen beim Hörer bemerkbar macht.
Der Hörer hat das Gefühl: "Irgendwas stimmt hier nicht."
Dieses Gefühl ist vermutlich der Hauptgrund für den Wunsch nach Wechsel einer Komponente. Dieses Gefühl der Lästigkeit muss kumulieren, d.h. hier ist eine längere Hörperiode nötig, damit dieser Punkt zum Tragen kommt und berücksichtigt werden kann.
Daher ist bei der endgültigen Bewertung einer Komponente ein Langzeittest unabdingbar.
Es bringt überhaupt nichts, sich durch einen Blindtest, der in der Regel meist sowieso ohne konkretes Ergebnis ausfällt, sich vielleicht bestätigen zu lassen, dass eigentlich keine Klangunterschiede vorhanden sind und demnach kein Grund zur Klage besteht, während man dann in der täglichen Hörpraxis dauernd mit dem besagten Gefühl der Lästigkeit konfrontiert wird.
Probleme bei der Durchführung eines Blindtests
Setzen wir einmal voraus, dass Pegelunterschiede aufgrund technischer Vorsichtsmaßnahmen keine Rolle spielen, dass Raum und Anlage auf höchstem Niveau spielen, dass keine externen Einflüsse gleich welcher Art das Ergebnis beeinflussen können - kurz, dass eine technische einwandfreie Durchführung des Blindtests gewährleistet ist.
Unklar ist anfangs noch die Zielsetzung des Tests bzw. die Aufgabe der Hörer:
Sollen
a. anhand von Musikbeispielen Geräte zugeordnet werden oder
b. anhand von Musikbeispielen eine qualitative Bewertung der Geräte vorgenommen werden.
Das hört sich zwar ähnlich in der Aussage an, bedingt aber einen Unterschied in der Art und Weise, wie man an einen Test herangeht.
Punkt a hieße z.B.: "Wer kann diese Geräte unterscheiden?".
Punkt b hieße z.B.: "Welches Musikwiedergabe gefällt mir am besten?".
Wer eine gute Musikwiedergabeanlage besitzt, weiß, dass z.B. schon auf einer einzigen CD eines Interpreten die einzelnen Tracks durchaus in allen Belangen unterschiedlich abgemischt sein können.
Das bedeutet in der Praxis, dass es fast unmöglich ist, "neutrale" Quellen zu benutzen.
Letztendlich weiß niemand wirklich, wie etwas zu klingen hat, da ja schon im Studio beim Abmischen für den Endverbraucher unbekannte Lautstärken benutzt und dann dieser Hörsituation entsprechend Frequenzgangänderungen gemacht werden.
Weiterhin dürfte bekannt sei, dass bei der Kombination von Audio-Komponenten bestimmte Synergie-Effekte auftreten, bzw. auch gezielt eingesetzt werden (Stichwort: Kompensation von Klangeigenschaften).
Das ist schon bei der Ausrichtung von "normalen" Hörtests ein wenn auch lösbares Problem, das allerdings bei einem Blindtest zu einem prinzipiell unlösbarem Problem wird.
Bei vielen vergleichenden Hörtests kann es gar nicht um das Herausfinden der objektiv (falls so etwas überhaupt möglich ist) besten Komponente gehen, sondern eher um das Herausfinden der Komponente, die am besten mit der Restanlage harmoniert.
Bei einem Blindtest wird durch das Zusammenwirken von nichtneutralen Quellen unter Benutzung von nichtneutralen Audio-Komponenten die Auswahl von wiederum nichtneutralen Audio-Komponenten aufgrund von Kompensationseffekten zu einem reinem Zufallsspiel, was sich ja dann auch folgerichtig in den Ergebnissen widerspiegelt.
Zieht man dann noch das sehr mangelhaft ausgeprägte akustische Gedächtnis des Menschen hinzu, muss man eigentlich bei Berücksichtung aller reichlich widrigen Faktoren staunen, dass Blindtests für den genannten Zweck überhaupt in Erwägung gezogen werden.
Wenn man allerdings sowieso der Meinung ist, dass es keine klanglichen Unterschiede zwischen Audio-Komponenten gibt, kann man sich leicht diese Meinung immer wieder durch Durchführung von Pseudo-Blindtests zementieren lassen. In Sachen Hörbildung kommt man auf diese Weise allerdings keinen Schritt weiter.
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