Eine sehr hübsche und
detaillierte Anleitung zum besseren Hören gab
vor einigen Jahren die amerikanische
Underground-Hi-Fi-Publikation "Stereophile".
Sie unterteilte den Frequenzbereich von 20 Hz bis
20480 Hz in 10 Oktaven und notierte in anschaulichen
Begriffen, wie ein Lautsprecher klingt, der in diesen
10 Oktaven jeweils zu viel oder zu wenig bringt.
Diese in jahrelangen Hörvergleichen gewonnenen
Begriffe erscheinen mir so plausibel, daß ich
hier kurz ein Resümee dieser gewiß
lobenswerten Arbeit geben möchte.
Der tiefste Baß von 20 bis 40 Hz kann
laut "Stereophile" donnernd und übermächtig
(thunderous), etwas schlaff und schwach
(flaccid) oder ganz verhalten (shuddery)
kommen, sofern auf der Platte solche Frequenzen
(Baßtrommel, ganz tiefe Orgeltöne,
Kontrabaß) aufgezeichnet sind.
Abwesenheit des tiefsten Baß-Fundaments bei
Lautsprechern bemerkt man nur im direkten Vergleich.
Der Bereich der mittleren Bässe (40 bis 80
Hz) kann zu weich, etwas unkontrolliert und
leicht bumsig (billowing), zu weich
einschwingend (sodden) oder dumpf bis
dröhnig (thuddy) klingen, wenn der
Tieftöner wie bei manchen Baßreflexboxen
stark nachschwingt und das Signal nicht sauber
verarbeitet.
Andererseits fehlt es den mittleren Bässen an
Fülle, wenn sie zwar gerade noch voll, aber
etwas knapp (tight), etwas dünn
(sparse) oder gar flach (shallow) kommen.
"Farbliche" oder perspektivische Unterscheidungen
macht der Autor in diesem Frequenzbereich noch nicht,
weil solche Bässe sich als Kugelwelle ausbreiten
und nicht stärker gerichtet sind wie die Mitten
und vor allem die Höhen.
Der Bereich der oberen Bässe (80 bis 160
Hz), so der Autor, gibt dem Tieftonbereich die
"Wärme". Hier reicht die Skala seiner
Bewertungen von dröhnend/bumsig (boomy)
und fett (fat) bis trocken, kalt und
dünn.
Die unteren Mitten im Bereich von 160 bis 320
Hz können in seinen Begriffen bei
Überbetonung hohl (cavernous) oder
hölzern (wooden), bei dort abfallenden
Frequenzgang dagegen zu verhalten bis näselnd
(pinched) klingen.
In diesem und dem nächsten Frequenzbereich
(320 bis 640 Hz) manifestieren sich seiner
Meinung nach "Reichtum", Fülle und Kraft des
Klangbildes.
Fehlt es daran, so ist der Klang eingeengt, ohne
Perspektive und gepreßt (constricted),
während Überbetonung dort zu einem rauhen,
stark vorwärts gerichteten (grunty) oder
gar hallig-hohlen (hollow) Klangbild
führt.
Die perspektivische Auflösung des Klangs findet
nach dieser Listung in hohem Maße zwischen
640 und 1280 Hz statt. Das Klangbild kann hier
Unterschiede von verhallt und überräumlich
(hollow) und entfernt (distant)
einerseits bis zu stark nach vorn gerichtet
(forward), gleich einer Hupe oder einem Horn
klingend (honky) und rauh bis heiser
(raucous) andererseits reichen.
Für einen zu stark zurückgenommenen
Präsenzbereich (die unteren Höhen)
nimmt der Autor den Begriff "strangled", also
gewürgt, womit er wohl im Deutschen am ehesten
ein sehr flaches, dort wenig konturierendes Klangbild
meint.
Überbetonung dieses Bereichs führt zu
einem überpräsenten, blechernen und fast
grellen (brassy), zu einem nasalen oder gar
dünnen Klang (hier nennt er den Begriff
"tinny", also wie Zinn klingend).
Ein Abfall im Brillanzbereich (2560 bis 5120
Hz), in dem sich normalerweise viele
Obertöne entfalten, führt zu einem stark
belegten, gedämpften und
übermäßig weichen Klangbild ohne
Transparenz (muted), während sich
Überhöhungen und andere Fehler gerade in
diesem Bereich, wo das menschliche Ohr eine hohe
Empfindlichkeit für Unterschiede besitzt, in
einem zu hellen, harten, gläsernen,
stählernen oder schrillen Klang
äußern.
Sehr hübsche Begriffe fand der Autor für
den Klang in der Oktave von 5120 bis 10240 Hz,
wo man beispielsweise die Obertöne von
Percussioninstrumenten, Pikkolo-Flöte und
Violine, aber auch Triangel und Schlüsselklirren
beachten sollte. Fehlt es hier, ist der Klang
langweilig (dull) und muffig
(muffled).
Klingt's gut, dann kommen diese Obertöne
sauber, ohne jede Lästigkeit oder leichte
Verzerrungen. Kommt der Lautsprecher oder der
Tonabnehmer hier in Probleme, ist der Klang nicht
mehr "crisp", sondern zischelnd wie leicht
verzerrte S-Laute (sibilant), hört man
Geräusche, die wie ein schwirrender Draht
(wiry) klingen oder ist das erste Einschwingen
sogar einem scharfen Spuck-Geräusch
vergleichbar.
Die schwierigste Bestimmung in Begriffen war die der
obersten Oktave bis 20480 Hz. Der extreme
Hochtonbereich, der dem Klang seinen strahlenden
Glanz vermittelt, kann angenehm weich (soft)
und süß (sweet) kommen, sehr luftig
(airy), aber auch verwischt (whiskery)
oder gar zischig (zippy) klingen.
Ein anderer Autor stellt die
Begriffe als Gegensatzpaare gegenüber [1]:
Hell - Dunkel:
Hell timbrierte Lautsprecherboxen
sind oft scheinbar baßschwach, dunkel
timbrierte oft scheinbar höhenschwach. Neigen
dunkel timbrierte Lautsprecherboxen zu einem satten,
vollen Klang von mittlerer Durchsichtigkeit, so
tendieren helle Lautsprecherboxen zu einem schlanken,
präsenten, durchsichtigen und definierten
Klangbild.
Bei dunkel timbrierten Lautsprecherboxen kann der
Obertonbereich fehlen. Man achte deshalb darauf, ob
Triangel, Becken, Orgelmixturen u. ä. sich
genügend abheben und nicht im Gesamtklang
untergehen. Die Gefahr, daß eingedunkelte
Lautsprecherboxen zu wenig Brillanz besitzen, ist
groß. Dunkle Lautsprecherboxen klingen nach
Bayreuth, helle nach Kirche.
Bei hell timbrierten Lautsprecherboxen können
die Mitten oder unteren Mitten etwas fehlen.
Man prüfe deshalb, ob Celli nicht zu sehr
aufgehellt werden und mehr wie Bratschen klingen.
Posaunen müssen noch soviel Substanz und
Körper besitzen, daß sie in hohen Lagen
nicht wie Hörner klingen.
Bei hell timbrierten Lautsprecherboxen haben Geigen
zu wenig Holz, zu viel Saite. Die
menschliche Stimme klingt auf helltimbrierten
Lautsprecherboxen etwas spitz, eng und substanzlos,
auf dunkelgetönten weich, füllig, zu sonor
und bisweilen charakterlos.
Klavierwiedergabe fehlt bei dunklen
Lautsprecherboxen die Härte, die
Präzision des Anschlags, dagegen wirken die
unteren Oktaven etwas zu wuchtig und undifferenziert.
Bei einem guten, ausgeglichenen Instrument sind die
Übergänge zwischen den einzelnen Lagen
zu deutlich spürbar bei hellen
Lautsprecherboxen; bei dunklen sind sie
nivelliert.
Vordergründig,
präsent - entfernt:
Vordergründige
Lautsprecherboxen klingen so, daß man beim
Hören mit geschlossenen Augen glaubt, das
Orchester befinde sich da, wo die Lautsprecherboxen
stehen, schlimmstenfalls in ihnen. Sie neigen
bisweilen dazu, ein akustisches Loch in der
Mitte zwischen den Lautsprecherboxen zu produzieren.
Jedenfalls kann man bei ihnen oft eindeutig die
Lautsprecher als Schallquellen identifizieren. Bei
ungünstiger Konstellation sonstiger
Eigenschaften neigen sie zu Härte, Drahtigkeit
und Aufdringlichkeit. Sind die sonstigen
Eigenschaften gut, klingen sie offen und frei.
Jedenfalls ziehen sie die auditive Aufmerksamkeit auf
sich.
Entfernt klingende Lautsprecherboxen lassen das
Schallereignis scheinbar etwas hinter die
Lautsprecherboxen zurücktreten. Die Gefahr des
Lochs in der Mitte besteht wenig. Die Lautsprecher
sind nicht eindeutig als Schallquellen
identifizierbar.
Bei weiteren positiven Eigenschaften klingen sie
recht räumlich, bei ungünstiger
Konstellation etwas verschwommen, unpräzise und
in der Klangdefinition den präsenten
Lautsprecherboxen unterlegen. Aufdringlich sind sie
in den wenigsten Fällen.
Mitunter neigen sie zur Verhangenheit.
Eine ziemlich hohe Verwandtschaft besteht
zwischen vordergründigen und hell timbrierten
Lautsprecherboxen. Andererseits sind oft entfernt
klingende Lautsprecherboxen auch leicht eingedunkelt.
Übertragungen von Beifall-Klatschen sind ein
guter Prüfstein dafür, ob eine Box
vordergründig oder entfernt klingt: Bei
präsenten Lautsprecherboxen findet das Klatschen
im Hörraum statt; die Akustik des Wohnraumes
wird bei hohen Lautstärken regelrecht von der
übertragenen überspült.
Bei entfernt klingenden Lautsprecherboxen bleibt der
Hörraum als solcher erhalten, das Klatschen
findet scheinbar in einem anderen Raum, der hinter
den Lautsprecherboxen liegt, statt.
Ist Vordergründigkeit mit zuviel Brillanz
verbunden, wird aus dem Beifallklatschen ein
Wasserfall.
Schlank - voluminös:
Ob ein Lautsprecher voluminös
oder schlank klingt, hängt wesentlich
davon ab, wie er den Bereich der Bässe und der
unteren Mitten verarbeitet.
Ein schlanker Klang scheint zunächst etwas
baßschwach zu sein; bei genauerem Hinhören
wird jedoch deutlich, daß er meist
impulstreuer, detailreicher und durchhörbarer
ist als ein voluminöserer.
Bei voluminös klingenden Lautsprechern hat die
Baßwiedergabe oft mehr Quantität als
Qualität: Hoher Pegel bei mangelhafter
Impulstreue und gleichzeitiger unnatürlicher
Verdickung, Umwölkung der unteren
Mitten.
Durch die bei einer Überzahl schlechter
HiFi-Boxen übliche Bumsigkeit und Dumpfheit der
unteren Mitten und Bässe sind wir derart an eine
unsaubere Wiedergabe gewohnt, daß es nur wenige
qualitätsbewußte Hersteller wagen, (zumal
in der unteren und mittleren Preisklasse)
Lautsprecher zu bauen, die statt einer starken, aber
unpräzisen Wiedergabe des unteren
Frequenzbereichs ein schlankes, transparentes,
offenes und weithin verfärbungsfreies Klangbild
erzeugen. Auch die den elektrostatischen
Lautsprechern nachgesagte Baßschwäche
beruht oft auf diesem Mißverständnis, auf
dieser Verwechslung von Qualität und
Quantität.
Welche von zwei Boxen die voluminösere ist -
gleiche Verfärbungsfreiheit vorausgesetzt -,
kann man mit Blasmusik testen.
Die voluminösere Box differenziert Tuba, Horn,
Trompete und Posaune besser als die schlankere, bei
der Posaunen ggf. schon etwas nach Hörnern
klingen.
Ein Duo von Baß und Cello klingt auf einer
guten schlanken Box sauber, gestaffelt; auf einer
guten voluminösen zusätzlich noch
plastischer; auf einer schlechten voluminösen
dagegen undifferenziert, verwaschen und topfig.
Schlanke Boxen eignen sich meist nicht für
Räume mit mehr als etwa 70 m² Volumen, weil
sie den Raum nicht füllen können.
Das Klangbild gerät in Gefahr, dünn,
mickrig zu werden. Voluminösere Lautsprecher
haben es leichter, große Räume zu
füllen, ohne allerdings für kleinere
ungeeignet zu ein.
Flächig - räumlich:
Flächig klingende Boxen
erzeugen ein Klangband, das von Lautsprecher
zu Lautsprecher reicht. Räumlich klingende
erzeugen einen Klangraum, der sich zwischen den Boxen
und um sie herum abbildet.
Räumlichkeit darf nicht mit unnatürlicher
Halligkeit, hervorgerufen durch eine Anhebung im
Frequenzbereich um 200 Hz, verwechselt werden, die
man bei genauem Hinhören oft als Mulmigkeit oder
Bumsigkeit identifizieren kann.
Schlankheit und Flächigkeit einerseits sowie
voluminöses und räumliches Klangbild
andererseits sind oft nahe verwandt.
Bei räumlich klingenden Boxen wird die
Tiefenstaffelung eines Orchesters (bei sehr guten
Aufnahmen) erkennbar. Bei flächigen dagegen
stehen die dominierenden Instrumente immer
vorn, an der Rampe.
Die Eigenschaft flächig ist oft vereint
mit der negativen Eigenschaft flach. Ein
flaches Klangbild wird oft als technisch, als
unmusikalisch empfunden. Es fehlt ihm der
musikalische Atem.
Wenn es auch oft auf Anhieb eine hervorragende
Klangdefinition vortäuscht, so erkennt man doch
bei genauerem Hinhören sowie in Langzeittests,
daß sich die exakte Klangdefinition auf einige
wenige Instrumente oder Instrumentengruppen
beschränkt. Andere Instrumente werden im Tutti
nicht identifiziert. Beispielsweise gehen die
Bratschen im Gesamtklang des Orchesters unter.
Auch mit Choraufnahmen sind Flachheit und
Flächigkeit gut zu testen: Man achte darauf,
daß alle Stimmen, vor allem auch Mezzosoprane
und geteilte Tenöre, exakt zu hören
sind.
Offen - verhangen:
Klingt eine Box offen, frei, so
spielt das Orchester quasi im Hörraum. Die
Musiker scheinen vor den Lautsprechern zu sitzen.
Bei verdeckt klingenden Boxen scheint ein Vorhang
vor dem sonst vielleicht gut durchgezeichneten
Schallereignis zu stehen.
Die Verwandtschaft offen, hell und
vordergründig ist ebenso stark wie die zwischen
verdeckt und entfernt.
Schaltet man von einer verhangenen auf eine offene
Box, so entsteht der Eindruck: "Jetzt gehen das Licht
an und der Vorhang auf!" oder "Jetzt wird frische
Luft in den Raum geblasen".
Offene Boxen dürfen aber nicht mit
überbrillanten, überpräsenten Bluffern
verwechselt werden. Es gibt überdies nur wenig
offene Boxen, die in den Mittellagen
verfärbungsfrei sind! Ein offenes, aber
lagenspezifisch oder instrumentenspezifisch
verfärbtes Klangbild wird oft von
Hornlautsprechern produziert.
Neutral - verfärbt:
Verfärbungsfreie Boxen findet
man selten. Und sind sie dann noch frei und
voluminös, dann hat man es mit den besten
Lautsprechern des Weltmarkts zu tun.
Die Neutralität ist mit normalen
Musikprogrammen nicht objektiv festzustellen, denn
Verfärbungen können in Hülle und
Fülle auf dem Weg vom Geber (Mikrofon,
Tonabnehmersystem) über die Elektronik
(Verstärker, Sender,
Empfänger-Verstärker) auftreten;
Neutralität ist nur vergleichsweise zu erfassen:
Die Box (X) klingt neutraler als die Boxen (Y) und
(Z).
Eigentlich kann man Neutralität nur negativ
definieren: Eine Box ist neutraler als eine andere,
wenn sie weniger Verfärbungen (als die andere)
hat, in einer gegebenen Anlage und bei gegebenem
Programm.
Jeder Lautsprecher verfärbt mehr oder weniger,
wenn auch in je unterschiedlichen Bereichen. So gibt
es Boxen, die bevorzugt Blechbläser
verfärben, während andere dazu neigen,
Streicher in hohen Lagen zu verfärben. Es ist
letztlich eine subjektive Entscheidung, welche
Verfärbung als penetranter empfunden wird.
Erfahrungsgemäß scheinen sehr hell
timbrierte und überbrillante Boxen neutraler zu
klingen als weniger präsente und brillante, weil
das Klangbild analytisch, offen und frei zu sein
scheint.
Doch wirken diese Boxen - wie man in Langzeittests
feststellen kann - auf Dauer aggressiv, hart,
lästig.
Bei solchen Boxen kann man beispielsweise kaum noch
heraushören, daß sich der Klangcharakter
einer Oboe ändert, wenn auf einem langen Ton ein
crescendo liegt.
Ausgewogen - unausgewogen:
Ausgewogene Boxen klingen weder
dunkel, noch hell. Sie sind nicht eindeutig
präsent und nicht eindeutig entfernt. Sie
machen nichts daher, sind deshalb sehr gut - und
sehr selten.
In einem Feld von Lautsprechern, die in die Ohren
springende, auffällig gute Eigenschaften
haben - was immer man subjektiv als gut empfindet -,
haben es ausgewogene Boxen mitunter schwer, sich
durchzusetzen.
Man sollte deshalb solch unscheinbaren
Lautsprechern besondere Aufmerksamkeit widmen und sie
ggf. in den Langzeittest einbeziehen. Dagegen sind
Boxen, die auf Anhieb durch besondere
Vorzüge auffallen, nur in seltenen Fällen
auch ausgewogen.
Transparent,
durchsichtig - verschwommen:
Durchsichtig ist eine Box, wenn
sie das Schallereignis präzis abbildet: Bei
guten Aufnahmen muß es möglich sein, die
einzelnen Solisten, Soloinstrumente, Stimmen eines
Chors und Instrumentengruppen eindeutig voneinander
zu unterscheiden.
Undurchsichtige Boxen können zwar ein
voluminöses und angenehmes Klangbild
erzeugen, geben dem Hörer aber nicht die
Möglichkeit, sich auf bestimmte Instrumente zu
konzentrieren.
Sie produzieren einen Klangbrei. Offene,
präsente und schlanke Boxen tendieren eher zur
Durchsichtigkeit als verdeckt und voluminös
klingende.
Besser gesagt: Sie haben es in puncto
Durchsichtigkeit leichter.
Manche Boxen können erst ab einer relativ hohen
Lautstärke durchsichtig klingen, andere sind bei
geringen Lautstärken offener.
Erfahrungsgemäß benötigen
Kompaktboxen eine höhere Lautstärke, damit
sie sich freistrahlen.
Sie neigen bei geringer Lautstärke zu einem
etwas näselnden oder gepreßten und
verhangenen Klangbild, dem Durchsichtigkeit abgeht.
(In diesem Zusammenhang muß aber auch bedacht
werden, daß die meisten Verstärker bei
geringen Lautstärken gepreßt, eng und
undurchsichtig klingen!).
Dagegen besteht bei Boxen mit sehr hohem
Wirkungsgrad (Baßreflexboxen, Boxen mit
Hornlautsprechern) die Gefahr, daß sie zwar
durchsichtig klingen, aber etwas verfärben, und
zwar bei allen Lautstärken.
Durchsichtigkeit läßt sich
selbstverständlich mit großorchestralen
Werken testen. Man muß allerdings sicher sein,
daß die Aufnahme ein Höchstmaß an
Transparenz und Sauberkeit besitzt.
Bei analytischen Boxen bleibt die
Identifizierbarkeit der einzelnen Klanggruppen auch
erhalten bei plötzlichen großen
Dynamiksprüngen, also bei einem subito
ff-Einsatz.
Setzen wir einmal einen Verstärker voraus, der
diesen Sprung mühelos überträgt: Dann
kann es passieren, daß sich eine wenig
durchsichtige Box verschluckt: Für einen
kurzen Augenblick verschwindet die Durchsichtigkeit,
bestimmte Instrumentengruppen werden verdeckt,
verschluckt von der großen Trommel oder dem
Becken.
Das sollte man durch die öftere Wiederholung
ein und derselben Passage untersuchen.
Die Qualität Durchsichtigkeit
läßt sich auch mit weniger komplexen
Signalen untersuchen: Bei einem Duo Baß-Cello
müssen die beiden Instrumente klar getrennt
nebeneinanderstehen, sie müssen sich, ohne
klanglich auseinanderzufallen, eindeutig voneinander
abheben.
Die Instrumentierung der Einleitung von Also
sprach Zarathustra muß eindeutig erkennbar
werden. Bei einem Blockflötenduo - zwei
Sopranflöten - müssen sich die Klangfarben
der beiden Flöten voneinander abheben.
Überbrillante Boxen versagen bei diesem Test.
Auch Sopran-Duette müssen in diesem Sinne - vor
allem in den höchsten Lagen - durchsichtig
bleiben.
Eine durchsichtige Box zeichnet sich in den meisten
Fällen durch eine feine Klangdefinition aus. Man
teste mit Soloinstrumenten, die man sehr genau kennt!
Haben Trompeten nicht einen zu engen, spitzen Klang?
Klingt die Sologeige raumfüllend, weich,
gestrichen, mit viel Körper,
Glanz und Holz? Zischt das Becken oder
klingt es?
Knödelt der Heldentenor oder strahlt seine
Stimme (so er eine hat)?
Hat die Pauke einen Klang, der sich nach
Tonhöhe, Stärke des Anschlags und
verwendetem Schlegel deutlich ändert, oder
klingt sie das eine wie das andere Mal? Ist der
Flügel tatsächlich ein Flügel? Meist
klingen Flügel breiig, sie schwimmen.
Auch kleine Besetzungen, Streichquartette und
Einspielungen von alten Instrumenten eignen sich zur
Untersuchung der Durchsichtigkeit. Die Instrumente
eines Streichquartetts müssen exakt auseinan-
dergehalten werden können, ohne daß das
Klanggeschehen als Ganzes auseinanderfällt. Wird
die 1. Geige nicht durch die Pizzicati im Baß
verschluckt? Durchsichtigkeit und Neutralität
gehen nicht oft Hand in Hand.
Weich - rauh, hart:
Bei rauh zeichnenden Boxen klingen
hohe Streicher etwas aggressiv und drahtig. Statt
Glanz haben sie viel Stahl, eben Härte.
Die menschliche Stimme ist gepreßt.
Barock-Trompeten sind eine Nuance zu groß, zu
spitz, Mixturen von Barock-Orgeln klingen wie die
neuerer Orgeln, die mit hohem Winddruck betrieben
werden.
Auf die Dauer wirken rauh zeichnende Boxen
lästig. Man identifiziert sie oft zu spät,
weil sie zu den Bluffern gehören.
Weichzeichner machen nichts daher und werden beim
oberflächlichen Testen
überhört. Oft wird überbrillant
mit weich verwechselt!
Allerdings darf man dunkel, verhangen und entfernt
abbildende Lautsprecher nicht mit weichzeichnenden
identifizieren, obwohl hier eine gewisse
Verwandschaft vorliegen kann.
Weiche Boxen kann man auch identifizieren, indem man
bei voll aufgedrehtem Höheneinsteller hört.
Dann klingen sie ungewöhnlich hell, zischen aber
nicht.
Angenehm,
natürlich - lästig:
Bisweilen tauchen in der Literatur
die Kriterien angenehm und
natürlich auf.
Möglicherweise ist in einem Test eine Box als
sehr natürlich, doch wenig angenehm ausgewiesen.
Ein solches Ergebnis kann die Verwirrung beim Leser
sehr groß werden lassen. Viele Musikfreunde
unterscheiden nicht zwischen angenehm und
natürlich; denn eine Box, die ein
Klanggeschehen mit höchstmöglicher
Naturtreue nachzuzeichnen vermag, könne, so
sagen sie, nicht unangenehm klingen.
In einer künstlichen Hörsituation, wie sie
Tests darstellen, können sich ggf. Boxen
profilieren, die scheinbar natürlich
klingen.
Im Langzeittest wird sich jedoch diejenige Box
positiv abheben, die man stundenlang hören kann,
ohne daß sie lästig wird, ohne daß
sie ermüdet.
Als die natürlicher klingende ist sie -
auf die Dauer des Hörgenusses - die
angenehmere.
Das hat nichts mit Schönfärberei im Sinne
von Baß- und/oder Höhenanhebung bzw.
-absenkung oder mit freundlichen
Verfärbungen zu tun!
Natürlich klingende Boxen zeichnen sich
dadurch aus, daß man sie lange Zeit mit hoher
Lautstärke hören kann, ohne nervös zu
werden oder aus Gründen einer
hörpsychologischen Streßsituation den
letzten Ton des musikalischen Werks herbeizusehnen.
Am Beispiel des Begriffpaars
angenehm - lästig wird die
Subjektivität von Lautsprecherbeurteilungen
beispielhaft deutlich, und sicherlich werden viele
Leser der hier dargelegten Auffassung nicht folgen.
Wie dem auch sei: Übereinstimmung herrscht wohl
hinsichtlich der Forderung, ein Lautsprecher (bzw.
Musikwiedergabe) dürfe nicht lästig sein.
Wann eine Box als lästig empfunden wird, das
allerdings ist subjektiv unterschiedlich; es
hängt von den klanglichen Zielvorstellungen
sowie den auditiven Gewohnheiten und musikalischen
Vorlieben des Hörers ebenso ab wie von seinen
Erwartungen an das Medium HiFi-Stereophonie.
Literaturnachweis:
[1] Heinz Josef
Nisius: Hifi Hören, 1979, Vogel-Verlag ISBN
3-8023-0611-2
[2] H. Williges: Lautsprecher-Taschenbuch,
1969, Isophon-Werke GmbH
[3] Franz Schöler: High Fidelity Technik
für Aufsteiger, 1981, Rowohlt ISBN 3-499-17417-0
wird fortgesetzt
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