Meßtechnik für die Lautsprecherentwicklung

Grundlage jeder Lautsprecherentwicklung sind Frequenzamplitudengang und Impedanzgang, beides vorzugsweise mit dazugehöriger Phase.

In den 1970zigern wurde das bei TMR noch Punkt für Punkt mit Mikrofon, Millivoltmeter und Generator gemacht. Die ermittelten Punkte wurden in logarithmisches Millimeterpapier eingetragen.

Eine große Erleichterung war es, als der Neutrik Audiotracer auf dem Markt kam, ein Pegelschreiber auf Thermopapierbasis mit integriertem Wobbelgenerator.

Ein kleines handliches Gerät, das gute Dienste geleistet hat, allerdings etwas empfindlich war. Wir hatten wohl insgesamt drei Stück hintereinander.

Das änderte sich aber dann mit dem Modulsystem von Neutrik, dem Audiographen 3300, der Anfang der 1980ziger auf den Markt kam.

Der Pegelschreiber arbeitete mit vielfarbigen Filzstiften, die Fehlerquelle Thermostift fiel dann schon mal weg.

Die Abbildung zeigt die Grundversion mit Pegelschreiber, Input- und Outputmodul. Zusätzlich gab es noch Steckmodule u.a. für Phase- und Klirrmessungen.

Diese Version wurde z.B. auch zur Endkontrolle des Impedanzverlaufs der Lautsprecherboxen in der Fertigung eingesetzt. Alle Impedanzgänge einer Serie wurden übereinander geschrieben und etwaige Abweichungen registriert.

Auch kleinste Bauteilabweichungen in der Frequenzweich und der Chassisparameter werden hier sofort sichtbar.


Es gab in den 1970ziger auch schon digitale FFT-Analysatoren (z.B. von Nicolet oder HP), aber die waren sehr groß, sehr schwer, sehr laut und vor allen Dingen sehr teuer.

Aber kurz oder lang mußte auch für uns so ein Gerät her und so wurde dann 1986 ein FFT-Analyser Advantest 9403 (damals im Vertrieb von R&S) für die Lautsprecherentwicklung angeschafft. Das Gerät war bei uns deutlich unterfordert, es konnte sehr viel mehr als die bei uns benötigten Messungen.

Allerdings war es auch sehr groß, sehr schwer, sehr laut und natürlich sehr teuer. Mit einen DIN A4-Farbplotter zusammen kam der Analyser auf DM 125.000.-

 

Die Lüfter auf der Rückseite machten für heutige Maßstäbe einen Höllenlärm. Der Advantest 9403 (von unten nach oben) bestand aus digitalem Generator, Analysatoreinheit und Doppelfloppy-Laufwerk. Obendrauf sitzt noch ein später dazu gekommener FFT-Analyser Advantest 9211C.

Das Ganze endete dann erst mit dem Aufkommen PC-basierter FFT-Analyse-Software in den späten 1990zigern.

Zur Anschauung einige Messungen des Lautsprechermodulsystem TMR 3 (mit Ionenhochörner).

Auch die Produktbeschreibungen für TMR Standard, TMR 1 und  TMR 2 enthielten Messungen, die mit dem Advantest 9403 gemacht wurden.

Heute arbeiten wir ausschließlich mit verschiedenen PC-gestützen Meßsystemen.


Ein weiterer wichtiger Punkt sind die elektrischen Vierpolparameter der verwendeten Bauteile und Lautsprecherchassis.

Zur Messung benutzt man hier LCR-Meßbrücken.

Früher benutze man Meßbrücken, die man tatsächlich per Hand auf ein Spannungsminimum abgleichen mußte. Dazu wurde jahrelang eine LCR-Meßbrücke von Wayne-Kerr im Military-Style (wir hatten sie tasächlich auch von einem Surplus-Händler erworben) und mit zwei "magischen Augen" zur Abstimmung bei uns eingesetzt.

1984 kam dann die erste prozessorgestützte Meßbrücke Leader LCR-745 heraus, die dann auch bei uns sehr lange ihren Dienst tat.

Heute setzen wir eine sehr komfortable und genaue Meßbrücke, die Sourcetronic ST2832, ein.

Damit können jetzt noch mehr Parameter mit Frequenzen bis 200kHz sowie automatische Meßreihen realisiert werden.